Burg bei Magdeburg und Umgebung
Der Weinberg
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Der Burger Weinberg

Das Gelände des Weinbergs in der Oberstadt gehört zum ältesten Siedlungsgebiet der Stadt. Man nimmt an, dass hier schon vor der ersten urkundlichen Erwähnung unserer Stadt eine slawische Burg gestanden hat. Das Gebiet des Weinberges wird deshalb archäologisch genau beobachtet.

Der Weinberg gehört zum westlichsten Ausläufer des Fläming, eines Höhenzuges, der bis in das südliche Brandenburg reicht. Unser Weinberg liegt etwa 50 m über NN (Am Bismarckturm sind es 59 m.) Zum Vergleich dazu der Kapaunberg an der Straße nach Pietzpuhl,

von hier aus an den Windrädern zu erkennen, 105 m über NN. Nördlich an den Weinberg anschließend in der jetzigen Straße Unterm Hagen befand sich vor Jahrhunderten das Flussbett der Elbe, zu erkennen an dem Schwemmsand, der sich in geringer Bodentiefe in den nördlichen Feldmarken der Stadt Burg findet.

Es wird berichtet, dass schon Karl der Große im Jahr 805 auf der Elbe an unserem Weinberg vorbeizog. Er kam mit seinem vierten Heer bis nach Magdeburg. Dort zerstörten sie das Gebiet Genewana. Dabei könnte es sich um das Gebiet von Burg handeln.

Der Weinanbau kam mit der fortschreitenden Ausbreitung des Christentums im 12. Jahrhundert in unserer Region. Wein gehört zu den kirchlichen Abendmahlfeiern dazu, ebenso als tägliches Getränk für die Mönche in den Klöstern. Damals konnte man ihn noch nicht über weite Strecken transportieren, so dass man sich vor Ort im Anbau versuchte. Im Jahr 1125 ist der Weinbau im Kloster Pforta erwähnt. Bis 1203 dehnte er sich bis an die Oder (Grünberg, heute Zielona Gora, Polen) aus. In dieser Zeitspanne wird auch in Burg mit dem Anbau von Reben begonnen worden sein. Die Ausbreitung wurde begünstigt durch einen Temperaturanstieg von etwa 1,5 Grad Celsius zur damaligen Zeit. Die Chronik berichtet, dass 1124 so große Kälte herrschte, dass Leute im Felde, Vögel in der Luft, Getreide und Weinstöcke erfroren. So gab es auch damals schon Wetterkapriolen. 1259/60 war der Winter so mild, dass Mitte Januar 1260 die Weinstöcke blühten.

Der Weinberg in der Oberstadt, auf dem wir uns befinden, wird urkundlich erstmals 1519 erwähnt (also 2019 500jähriges Jubiläum dieses Weinberges). Da die Ernten recht reichhaltig ausfielen, wurde um 1600, zur Blütezeit des Burger Weinbaus, sogar ein Presshaus errichtet. Dieses befand sich etwa an der Stelle des heutigen Wasserturmes. Im 17. Jahrhundert änderte sich das Klima wieder, es kühlte sich ab und der Wein fand nur missliche Bedingungen vor. Zeitige Fröste vernichteten die Ernte oder die Rebstöcke erfroren im Winter im Holz.

Eine letzte Blüte erlebte der Weinbau bei uns durch die Hugenotten. Diese französischen Glaubensflüchtlinge kamen nach 1685 durch das von Kurfürst Friedrich Wilhelm erlassene Edikt von Potsdam in das Gebiet von Brandenburg-Preußen, um das darniederliegende Land nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges wieder aufzurichten. Mit ihnen kam auch der erste Burger Erwerbsgärtner, der ausschließlich von Gartenbau lebte. Die Hugenotten kannten sich im Weinbau aus ihrer französischen Heimat aus und versuchten nun ihr Glück auch in Burg. Obwohl durch die klimatischen Veränderungen beeinträchtigt (so erfror 1723 die komplette Ernte), fand man 1742 noch 321 Weinpfähle auf unserem Weinberg. Doch die Misserfolge sorgten für einen raschen Rückzug der Weinrebe aus Burg und die Flächen auf dem Weinberg wurden nun als Obstgärten genutzt.

Nach einer langen Verwahrlosung soll diese vielfältige Nutzung des Weinbergs wieder aufgezeigt werden. So finden sich im östlichen Teil hinter dem Aufgang Obstgehölze in Form von Hochstämmen auf der oberen Terrasse, Spindelobst auf der mittleren und Beerenobststräucher auf der unteren Terrasse.

Der Wein schließt sich dann zwischen den Treppenaufgängen in vollsonniger Lage an. Die Reben werden in Nord-Süd-Richtung gepflanzt, so dass es keine Schattenseite gibt und der Wein in der Sonne ausreifen kann. Es werden allerdings ausschließlich Tafeltrauben gesetzt, die nicht den Gesetzen zum Weinbau unterliegen. Für Keltertrauben müsste der Heimatverein Mitglied einer Winzergenossenschaft werden, um in den Genuss einer Anbauflächen-Quote zu kommen.

Die anderen Teile des Weinbergs sollen in kleinen Themengärten angelegt werden, so z.B. ein Kräutergarten, ein Liliengarten und ein Staudengarten. Die Terrassenbefestigung erfolgt durch Feldsteine in Form einer Trockenmauer.

Besonders ins Auge fällt der Schornstein der ehemaligen Maschinenfabrik Aston, eine der ältesten in Burg. Hierfür erhielt der Maschinenbauer Samuel Aston am 23. März 1836 die Baugenehmigung. Er betrieb auch die erste Dampfmaschine in Burg. Der Schornstein wurde, entsprechend einer Anschrift, im Oktober 1851 errichtet. Auf dem Schornstein nisten jedes Jahr die Weißstörche und diese lassen sich von hier oben ganz hervorragend bei der Aufzucht ihrer Jungen beobachten.

Zukünftig soll das Gelände am Weinberg eines der Kernobjekte für die 2018 in Burg stattfindende 4. Landesgartenschau Sachsen-Anhalts werden. Hierzu gibt es die Idee eines „Stadtbalkons“. Auch die Stadtmauer soll in den kommenden Jahren saniert werden und zur Attraktivitätssteigerung einen Wehrgang erhalten. Damit wird ein famoser Ausblick sowohl zur Altstadt hin als auch nach Norden über die Mauer ermöglicht.

Zusammengestellt von Dr. Udo Vogt Literaturverzeichnis beim Verfasser