Burg bei Magdeburg und Umgebung
Fliegerhorst Burg
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Der Fliegerhorst Burg

Mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland im Jahre 1935 und den damit verbundenen Kriegsvorbereitungen erfolgte auch die Aufstellung einer schlagkräftigen Luftwaffe. Für den mitteldeutschen Raum östlich von Magdeburg waren drei strategisch wichtige Luftstützpunkte vorgesehen, die Fliegerhorste Stendal, Zerbst und Burg. Hier im Südosten der Stadt, in der Feldmark Obergütter, begannen im Frühjahr 1937 fieberhafte Vorarbeiten, Vermessungen und Grundstückskäufe, auch von Flächen des Wulffenschen Stiftungsforst, um bald nach der Verlegung einer Vollspurbahn mit den ersten Aufbauten auf dem Fliegerhorst, dem Objekt der jetzigen Clausewitz- Kaserne der Bundeswehr, zu beginnen.

Unter den Wipfeln des Kiefernhochwaldes entstanden, streng abgeschirmt und geheim gehalten, in kürzester Frist Flugzeughallen, eine Werft mit Werkstätten und vor allem Unterkünfte für die zu erwartenden Mannschaften. Schon kurz darauf konnten die ersten Maschinen auf dem ziemlich 200 Hektar großen Flugfeldes zu Übungsflügen starten und damit der Dienstbetrieb erfolgen. Das erste, was die Burger von der neuen Garnison. den Fliegern in der taubenblauen Uniform kennerlernten, war das Musikkorps des Horstes, dass auch für damalige Verhältnisse moderne Tanzmusik spielte.

Im Frühjahr 1939, am sogenannten Tag der Wehrmacht wurde der Burger Flugplatz der Bevölkerung vorgestellt. Er trug die Bezeichnung Fliegerhorst Kommandantur Burg A 28/III, unterstand damit dem III. Fliegerkorps Berlin.

Bereits im Oktober 1937 verlegte die FF- Schule C 6 aus Stade auf den Platz. Sie blieb bis August 1939 - Verlegung nach Kolberg. Die Schule C 16 wurde ab Mai 1940 aufgestellt. Am 15.10.1943 erfolgte die Umbenennung in B16. Sie blieb bis zur Auflösung am 16.4.1945. Zur Erfüllung ihres Auftrages, der Schulung auf mehrmotorige Flugzeuge verfügte die Schule auch über He 177. Ab 21.9.1944 verlegte die Blindflugschule B 9 (C 9) aus Pretzsch/Elbe und wurde mit der B 16 zusammengelegt. Hierbei erfolgten auch Abgaben von Personal an andere auf dem Platz stationierten Verbände, wie dem KG 200.

Während des Angriffs auf Polen operierte von Burg aus das KG zbV mit Ju 52 als Transportflieger. Nach dem vorläufigen Ende der Kämpfe im Osten wurde die III./KG 1 von Dezember 1939 bis 2.2.1940 in Burg stationiert. Es folgte die I./KG 3 "Blitz" von März bis April 1940.

Die bereits erwähnte Umschulung auf den Langstreckenbomber He177 fand ab November 1943 in Burg statt. Umgeschult wurden nacheinander der Stab, die I. und die II./KG 1. Diese Umschulung endete am 8.6.1944. Die Verbände verlegten anschließend auf Stützpunkte in Frankreich. Bereits im Herbst 1943 wurde das KG 50 in Burg auf He177 umgerüstet. Zu diesem Zweck wurden die beiden bis dahin bestehenden betonierten Startbahnen auf zwei Kilometer Länge, bis Höhe Wolfshagen erweitert.

Ein weiterer moderner Typ, der in Burg in die Nutzung durch die Luftwaffe eingeführt wurde war das strahlgetriebene Kampfflugzeug vom Typ Ar 234. Auch bei der Umschulung und Umrüstung des Kampfgeschwaders 76 bewährte sich der Fliegerhorst Burg. Mit über 850 km/h Geschwindigkeit galt er damals als das schnellste Flugzeug im Krieg. Hierzu kamen Teile des KG 76 ab 24.8.1944 aus Falkenberg und anderen Plätzen. Die III. Gruppe (7., 8. und 9. Staffel) lag ab Anfang September 1944 auf den Flugplatz Burg. Am 31. Oktober 1944 beginnt auch das Erprobungskommando KG 76 mit der Verlegung von Lärz nach Burg. Die 9./KG 76 verlegte nach erfolgter Umschulung auf Ar 234 am 17.12.1944 nach Münster- Handorf - siehe auch weiter auf meiner "Handorf"- Seite. Am 23.01.45 verlegt der Gruppenstab III./KG 76 und die 8. Staffel von Burg nach Achmer. In Burg bleibt die 7. Staffel. Diese verläßt nach dem 10.04.1945 mit allen Teilen Burg und verlegt nach Kaltenkirchen in Holstein. Damit ist die III./KG 76 wieder vereint.

Auch eine andere „Wunderwaffe“ war zeitweise auf dem Burger Horst stationiert. Das Geheimgeschwader KG 200 erprobte auf den Pisten des Flugfeldes in der Gemarkung Obergütter ein neuartiges Kampfsystem, von dem sich die Führung des Dritten Reiches eine entscheidende Wende des schon verlorenen Krieges erhoffte. So erschienen im Sommer 1944 die sogenannten „Mistelflugzeuge“ am Himmel über Burg; eine Jagdmaschine Me 109 war mit einem älteren, nicht mehr einsatzfähigen, Bombenflugzeug darunter verbunden. Die unbemannte Flugbombe, die lediglich Triebwerke aufwies und mit Sprengstoff beladen war, wurde von dem Piloten der oberen Maschine bis zum Zielort gelenkt, wo er sich von der zerstörerischen Fracht durch Absprengen löste. Die gewaltige Bombenladung soll eine Durchschlagskraft von 20 Metern Stahlbeton besessen haben.

Die II./KG 200 wurde im Herbst 1944 aus verschiedenen anderen Verbänden aufgestellt bzw. kam im Dezember 1944 aus Dedelsdorf. Ende 1944/Anfang 1945 erfolgten Verlegungen einzelner Staffeln an andere Plätze - u. a. auch nach Dänemark. Teile der II./KG 200 blieben im Burg. So mussten eine Reihe von Mistel- Gespannen nach dem 10.4.1945 am Platz zurückgelassen werden, da sie wegen der starken Beschädigungen der Startbahnen nicht mehr weggestartet werden konnten.

Der Platz Burg sah im Jahre 1944 eine zwischenzeitliche Stationierung der I./JG 3 und zwar vom Februar bis Juni und dann noch einmal vom 1. - 13. August.

Zum Ende des Krieges beherbergte Burg noch einemal die damals modernsten Maschine, die Me262. Vom 11.12.1944 bis 11.4.1945 war auf dem Fliegerhorst Burg die 10./NJG 11 unter Hptm. Welter mit zweisitzigen ME 262 stationiert, um die Eignung der ME 262 als Nachtjäger zu erproben. Luftsiege wurden gegen einzelne allein fliegende Mosquito- Bomber erzielt. Von März 1945 bis zum 10.4.45 kam die 2./Nahaufklärungsgruppe 6 hinzu und vom 1.4. bis 11.4.1945 die 2./JG7. Bedeutende Abwehrerfolge waren gegen die gegnerische Übermacht waren jedoch nicht mehr zu erringen.

Am 10. April 1945 ertönte plötzlich am frühen Nachmittag gegen 14 Uhr in der Stadt Fliegeralarm, wie so oft in den Kriegsjahren. Wenig später erschienen am sonnenklaren Himmel, von Nordwesten kommend, die Bomberpulks mit etwa 150 Boing B-17, den „Fliegenden Festungen“ der VIII. US Air Force mit starkem Jagdbegleitschutz. Die Befürchtung der verängstigten Einwohner, dass nun auch Burg im Bombenhagel versinken würde, sollte sich glücklicherweise nicht erfü1len, vielmehr sollte jetzt der Fliegerhorst, der zu diesem Zeitpunkt keine strategische Bedeutung mehr besaß, zerstört werden. Ohne Gegenwehr der am Boden stehenden Jagdflugzeuge wurden innerhalb von 10 Minuten insgesamt etwa 1 600 Spreng- und Brandbomben auf die Rollbahnen, Flugzeughallen und Unterkünfte von den amerikanischen Flugzeugen abgeworfen. Nach dem vollendeten Vernichtungswerk, als dichte Rauchwolken über dem Zielgebiet auf stiegen, flogen die Bomber unbehelligt ab. Der Fliegerhorst war zu 85 Prozent zerstört und für den Flugbetrieb vollends außer Betrieb gesetzt, Tote und zahlreiche Verwundete waren zu beklagen.

Einen Tag später, am späten Nachmittag des 11. April, erschienen, vom Westen her kommend, die ersten Voraustruppen der amerikanischen 9. Armee bei Rogätz am westlichen Elbufer. Beim Näherrücken der Front gelang es noch einzelne Flugzeuge vom Typ ME 262 zur nahegelegenen Autobahn zu schleppen um sie von dort zu starten. Größere Maschinen waren jedoch nicht mehr wegzustarten. Die zerstörten Starbahnen sowie fehlende Ersatzteile und Kraftstoffmangel zwangen dazu, die restlichen vorhandenen Maschinen am Boden zu belassen. Die Besatzung des zerstörten Fliegerhorstes wurde infanteristisch ausgerüstet und zur Verteidigung der Elblinie gegen die Amerikaner der sogenannten Kampfgruppe Burg zugeteilt.

Die Reste der militärischen Anlagen des Flugplatzes, außer den Unterkünften, mussten nach dem Kriege auf Befehl der russischen Besatzungsmacht beseitigt und das Rollfeld als Bodenreformland aufgeteilt werden. Die starken Betonbrocken der Startbahnen sind vermauert noch in zahlreichen Nachkriegsbauten Burgs zu finden.

Da die sowjetische Besatzungsmacht kein Interesse an einer Weiternutzung des ehemaligen Fliegerhorstes Burg hat, wurden ab 1947 in den noch intakten Gebäuden Spätaussiedler untergebracht. Unter dem Namen "Waldfrieden" sollte ein neuer Stadtteil der Stadt Burg entstehen. Die nachfolgende Platzskizze entstand nach Ende des Krieges und stellt den Erkenntnisstand des Erstellers dar.

Mit der der Schaffung der "Kasernierten Volkspolizei" als Vorläufer der NVA begann jedoch bereits im Jahre 1949 eine militärische Folgenutzung der Kaserne. Den Volkspolizeibereitschaften folgte 1953 das Panzerbatallion 1. Seit der Aufstellung der NVA bis hin zur Übernahme durch die Bundeswehr im Jahre 1990 bleibt die Kaserne - zuletzt als Ausbildungszentrum 19 "Carl-von-Clausewitz" wird der ehemalige Fliegerhorst durchgehend durch die Armee genutzt. Heute benutzt das Heer die Kaserne als Stationierungsort für einen Nachschub- und Transportverband.

Während die Unterkunfts- und nicht zuletzt das markante Wachgebäude - noch erhalten sind, ist von dem ehemaligen technischen Bereich mit Flugzeuge, Hallen etc. keine Spuren mehr zu finden.

Dornier Do 17
Fliegerhorst Burg
Fliegerhorst Burg
Junkers Ju 52 (Tante JU) 1938
Lastensegler
Messerschmitt ME 262
JU 87 „Stuka“ (Sturzkampfflugzeug)
Junkers JU 52 (Tante JU)
Junkers JU 52 (Tante JU)