Burg bei Magdeburg und Umgebung
Kneipen
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Bahnhofsgaststätte

Am Anfang der Existenz der Burger Bahnhofsgaststätte, die als Bahnhofstraße 10 im Adressbuch ausgewiesen wurde, konnte man sie durchaus als gutklassig bezeichnen, vorausgesetzt, man war nicht Gast des Wartesaales der Klasse 3 und 4, sondern der bevorzugten Reiseklassen 1. und 2. Zum Ende seines Bestandes in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war es nur noch eine Durchlaufkneipe für wartende Reisende. Einzig einige stadtbekannte Burger Originale sollen sie hartnäckig als gastronomische Heimstatt ausdauernd aufgesucht haben.

Im April 1863 findet sich in der Burgschen Zeitung ein Hinweis auf die Bahnhofs-Restauration des Gastwirtes August Thie. Er verkündete, dass er die Kegelbahn „wieder völlig in Stand gesetzt“ hat. Diese befand sich nicht unter dem Dach der Gaststätte, sondern außerhalb in Höhe, wo heute der Wasserturm steht. Die wahren Kegelbrüder versuchte Thie im Mai 1864 mit dem Angebot zu begeistern, dass er „12 gute Kegelkugeln abzulassen“ habe, die man getrost mit nach Hause nehmen oder zum nächsten Wettkampf mitbringen können. Überhaupt hatte er ein offenes Herz für die Kegelbrüder. Im März 1868 meldete er, dass er nach nachdrücklicher Aufforderung vieler Kegelfreunde für den Sommer die äußerst linke Bahn dazu bestimmt hat, auf ihr Bahngeld auszukegeln. Zu vermuten ist, dass man auf sportliche Weise sein Fahrgeld aufbessern konnte.

 

Wie war der Burger Bahnhof aufgeteilt? Im Empfangsgebäude war die Gastronomie untergebracht, für die nach 1884 eine Küche angebaut wurde. Eine Plandarstellung von 1872 zeigt, dass es vier Gasträume gab. Der größte war der Reiseklasse 4 und der Kleinste der 1. Klasse reserviert, alles untergebracht im Empfangsgebäude des Bahnhofs. Ein Kohlenschuppen befand sich dort, wo jetzt der Busbahnhof endet. Vor dem Bahnhof gab es eine Haltestelle für Fuhrwerke und über den zwei Gleisen Richtung Berlin beziehungsweise Magdeburg hinweg hatte ein Lokschuppen, eine Schmiede, eine Großwaage und ein Güterschuppen Platz. Dieser muss der gewesen sein, der in unseren Tag noch zu sehen ist, aber nunmehr leer und ungebraucht und gewiss größer im Ausmaß als vor über 100 Jahren war. Letztendlich wurde in der zeichnerischen Übersicht der Standort von Retiraden ausgewiesen. Kurz gesagt, das war zu Urgroßvaters Zeiten der verschämte lateinische Ausdruck für Toiletten. Drei Stück wurden verzeichnet. Zwei neben dem Empfangsgebäude und ein drittes in Reichweite der abgelegenen Kegelbahn.

1906 gab es eine Auffrischung des Bahnhofslokals. Verantwortlich war Gastwirt Carl Genth aus Gommern. Die Wartesäle wurden erneuert. Die Burger Neusten Nachrichten meldeten am 7. September 1906: „In der Nacht schon wurden die Möbel und Utensilien aus den alten düsteren und unpraktischen Zimmern fortgeschafft, so dass in aller Frühe die Arbeiten für den provisorischen Umbau der Schalter und Gebäckräume beginnen konnten.“ Sehr klassendifferent wurde sogleich klar gemacht. „Die neuen Räume machen einen sehr guten Eindruck und sind der Neuzeit entsprechend modern eingerichtet. Die I. Und II. Klasse hat eichene Möbel erhalten, während der Saal III. und IV. Klasse in seinem Möbelelement dunkel gehalten ist.“ Übrigens hieß ab 1907 für einige Jahre der Gasthof „Staatsbahnhof Burg“.

Aus dem gleichen Jahr ist über eine Episode zu berichten, die nicht nur die Burger Bahnhofsgaststätte betraf. Es soll einige Jahre zuvor eine ministerielle Anordnung gegeben haben, „glasweise den Verkauf von Selterswasser an den Zügen zum Preise von 5 Pfennig durch die Bahnwirte erfolgen zu lassen“. Nur seien die Wirte laut Klagen von Reisenden der Verfügung vielfach nicht nachgekommen. Jetzt wollte sich der Minister für öffentliche Arbeiten an die Eisenbahndirektionen wenden, eine mahnende Weisung an die Bahnwirte zu erlassen und deren „Ausführung zu überwachen“.


Bahnhofsgarten - 20er Jahre


 

Noch nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bahnhofswirtschaft in die Hände von Carl Genths Sohn Paul gekommen. In der Erinnerung der Gäste hatte der neue Bahnhofswirt einen sehr guten Ruf. Gutes und preiswertes Essen und zuvorkommende Bedienung, hieß und heißt es noch bei einigen von ihnen heute.


Bahnhofsgaststätte 1950

Bald aber übernahm die Mitropa das Lokal und das Niveau ließ ließ in den kommenden Jahren zu wünschen übrig. Aber mit Erscheinungsbild stand die Burger Mitropa nicht allein, sondern war leider allgemeiner Standard fast aller DDR-Mitropa-Einrichtungen, die in der Öffentlichkeit in der Dauerkritik standen. Medienwirksam wurde in Burg zwar eine Selbstbedienungszeile eingerichtet, die nur bald darauf funktionslos herumstand.

Eigentlich hatte sich der Bahnhof zu einer richtigen Säuferkneipe entwickelt. Wer stadtbekannte Persönlichkeiten in Natura erleben wollte, war hier richtig. Das Burger Original Richard S, bekannt bei den Frauen mit dem Ausspruch: „Aphrodite, schöne Frau, schöne Beine!“, kehrte hier ständig ein. Er saß zumeist in einer Ecke des Selbstbedienungstresens und konnte mitunter sich vor Lachen krümmen. Der feuchtfröhliche Auslöser: Bahnhofswirt Ali, so wurde er kurz genannt, schüttete Richard mit Wasser gefüllte Schnapsgläser ins Gesicht. Im Nachbarraum schimpfte derweil der nicht minder angesäuselte Rollkutscher Otto S. über die Kommunisten, die ihm doch die strammen Pferde weggenommen hatten.

Die Ausstrahlung der Mitropa-Gaststätte blieb übrigens Landesweit nicht gänzlich unbekannt. In den achtziger Jahren entlockte der Eulenspiegel-Redakteur Ernst Röhl seiner Feder in einem satirischen Beitrag über die Ihlestadt folgende Sätze: „Mit der Weinbrandseligkeit, die allabendlich in der HO – Bahnhofsgaststätte launige Wellen schlägt, kann er dennoch nicht konkurrieren. (gemeint ist das Jugendklubhaus) Hier sitzen die größten Steher, bis sie fallen, Schnaps das ist ihr erstes und letztes Wort und die Verordnung zum Schutze der Jugend hängt schief im Rahmen.“


Bahnohofsgaststätte 1984

Es versammelten sich in der Bahnhofsgaststätte zudem über Jahre in bierlauniger Runde auch die Gäste, die die absichtlich den Zug verpassten. Und Maschinenbauer erklärten das Lokal zu ihrem Pausenraum. Oft wurde vergessen, dass die Spätschicht an der Drehbank eigentlich schon um 22 Uhr geendet hatte und man längst Zuhause sein könnte.

Die Wende überlebte der Burger Mitropa-Treff nicht lange. Zwar wurde in den neunziger Jahren versucht, den Gastraum mit der Filiale einer Bäckereikette und gleichzeitig mit einem modernen Imbissstand am Leben zu halten. Beides verschwand wieder. Auch ein danach eingerichteter Presse-Shop stellte sich als wirtschaftlicher Missgriff heraus. Seitdem ist die Bahnhofskneipe verwaist.

Eine Erwähnung wert soll zum Schluss der zur Bahnhofswirtschaft gehörende Bahnhofsgarten sein – ein Biergarten, von dem nichts mehr zu sehen ist. Es sind nicht die schlechtesten Erinnerungen, die Generationen von Burgern mit diesem gastronomischen Kleinod verbinden konnten. Unter schattigen Bäumen konnten Bier und Brause genießen. Solche gastfreundlichen Erlebnisse sind heute leider rar in der Ihlestadt. Den Bahnhofsgarten gab es bis in die fünfziger Jahre und er streckte sich eingegrenzt vom Bahnhof und altem Westfriedhof und reichte bis in den Goethepark hinein.

Fetzers Gaststätte

Um 1855 zog in dem Haus Gustav Wust Fast schon einen legendären Ruf nicht nur bei ehemaligen Stammgästen hatte die Kneipe mit dem Familiennamen Fetzer. Sie war in der heutigen Brüderstraße einen Kleinhandel für geistige Getränke auf. 1892 wurde der Betrieb als Weinhandel deklariert und 1897 eine Weinstube eröffnet. Zu einer Bierstube wandelte sie Serviermeister Carl Fetzer und Frau im Januar 1936. Die Adresse lautete damals Franz-Seldte-Straße.

 

 

Tageblatt 14. Januar 1936

Ansonsten sind Fakten aus der Geschichte dieser in Burg einstmals bekannten Kneipe sehr rar. Fest steht nur, dass zu DDR-Zeiten die Gaststätte vor allem Anlaufpunkt für Geschäftsleute der Ihlestadt gewesen sein soll. Und die Schüler und auch Lehrer der nicht weit entfernten Erweiterten Oberschule, dem Gymnasium von heute, versuchten in den großen Unterrichtspausen oder auch nach Schulschluss bei Fetzers eine Brause oder Bier zum Durst löschen und entspannen zu bekommen. Überliefert ist zudem, dass Fetzers eine Bratwurst anboten, die sehr lecker gewesen sein soll und die weithin die berühmte Spezialität der Kneipe war.

Bis in die achtziger Jahren bestand Fetzers Bierlokal, dann übernahmen es Privatleuten, die aber die Räumlichkeiten als Verkaufskiosk weiterführten und das noch einige Zeit unter marktwirtschaftlichen Bedingungen.


Grundstück der ehemaligen Gaststätte Fetzer, Brüderstraße 1, um 2000

Der Ihlerausch

Zur Geschichte

In der so genannten Seelenliste der Stadt der Jahre 1890 bis 1895 wird Karl Jesse und seine Frau Auguste erstmals als Eigentümer des Grundstückes der Kneipe „Ihlerausch“ erwähnt. Er war von Beruf Handelsmann, wollte seinen geschäftlichen Gesichtskreis erweitern und eröffnete in einem Neubau eine Kolonialwarenhandlung, der bald eine Schankwirtschaft folgte. Eine Kombination, die nicht selten war. Jesses Hoffnung muss gewesen sein, dass die stetig wachsende Stadt Burg auch in dem Bereich ihm Umsatz bringende Gäste bescheren könnte. Der gleich vom Start weg verwendete Gaststättenname „Ihlerausch“ soll dem Umstand entlehnt sein, dass sich gegenüber in der Fruchtstraße 1 eine Mühle befand, zu der ein Ihlewehr gehörte. Es ließ das Flüsschen vernehmlich rauschen. Überliefert ist außerdem, dass sich der „Ihlerausch“ mit den Jahren zu einer beliebten Arbeiterkneipe entwickelt hatte.

Legendär ist eine spätere Betreiberin der Gastwirtschaft, genannt Gerda oder auch Gerdi. Die Wirtin soll nicht nur gut gekocht, sondern auch ausgezeichnet Skat gespielt haben. Von einem ordentlichen Blatt ließ sie sich nie stören. Die Kundschaft, die im Außer-Haus-Verkauf Flaschen erstehen wollte, musste sich das Bier aus den Kästen selbst holen, der gastwirtlichen Skatfreundin die Flaschenanzahl am Skattisch vorzeigen und ihr dort gleich bezahlen.

Der lezte Wirt Dietmar Schönfelder bewirtschaftet das Lokal nun schon drei Jahrzehnten. Von sich reden machte er 2008, als er mit einem Burger Berufskollegen über Rechtsanwalt Bugar gegenüber der Landesregierung erstritten ließ, das solche Bierkneipen wie seine, weiterhin den Gästen das Rauchen gestatten könne. Schönfelders Einsatz lohnte sich. Seitdem weist ein Schild im Fenster auf die Besonderheit hin und dass kein Jugendlicher unter 18 Jahren im „Ihlerausch“ nichts zu suchen hat.

Wer sich näher in der Gaststätte umsieht, wird manche historische Trophäe in Form von Plakaten oder Werbeschildern sehen. Ein Schild, gewidmet vom FDGB-Kreisvorstand aus DDR-Zeiten, erinnert daran, dass die Gastwirtschaft „Ihlerausch“ seit 1894 Hort zur Organisierung der Arbeiterbewegung Burgs war.

Im August 2016 endete die Ära der Kultkneipe „Ihlerausch“ durch den plötzlichen Tod des Wirtes, der täglich für seine Gäste hinterm Tresen stand, die sich nicht nur wie Gäste sondern, wie Familie und Freunde fühlten.

Auch hatte der Ausnahmewirt immer einen Rat, bei einem kühlen Getränk, im richtigen Moment parat. Neben Gesprächen aus dem Leben wurden im Ihlerausch aber auch wichtige Fußball-Spiele übertragen und an anderen Tagen gemütlich im angrenzenden Biergarten zusammen gesessen. Seine Stammgäste beschreiben ihn als eine gute Seele und einem Menschen mit einem unvergesslich großen Herz.


Gerichtsschenke

Die geschlossene Gerichtsschenke im Breite Weg war nicht von Anfang an ein Kneipe. Am 8. April 1888 inserierte im Burger Tageblatt Louis Ferchland, dass er im Breite Weg 39 neben seiner bestehenden Konditorei ein Café eröffnen wird.

 

 

Sechs Jahre später übernahm Konditor Carl Lincke Bäckerei und Café. Es war für ihn ein beruflicher Umzug vom Markt 31 in die Straße zum Rathaus.

Erst im Juli 1932 ist ein nächstes öffentliches Signal zu entdecken und immer noch unter dem Namen Café Lincke. Es handelte sich um eine Eröffnungsfeier mit einem faden Beigeschmack aus heutiger Sicht. Der neue Betreiber gab seinem Café die Zusatzbezeichnung „Braunes Haus“. Noch vor der Machtergreifung Hitlers versuchte der stramme Nazi Otto Ulrich so „weltanschauliche“ Tatsachen zu schaffen. Ulrich war es auch, der Lachmunds Hotel in der Bahnhofstraße kaufte, um daraus das Hotel Potsdam zumachen. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde es Sitz der Kreis-NSDAP.

 

 

 

Café Lincke um 1900

 

Nach dem Otto Ulrich 1933 die Gaststätte an seinen Nachfolger Willi Plattè übergab, erhielt sie den Namen „Gerichtsschenke“. Namensentscheidend war die Nähe zum Kreisgericht und dem städtischen Gefängnis. Es war oft ein Kreislauf. Aus der Haft entlassen, das erste Bier getrunken, nicht vertragen und wieder inhaftiert.

Über einige Jahre war in der Zeit die Kneipe Treffpunkt des Elferrates des Burger Karnevalsvereins gewesen. Zu den Karnevalsumzügen pausierte gelegentlich dort der Narrenvorstand oder nahm von hier aus den „Generalangriff“ auf das Rathaus vor, um vom Bürgermeister die Stadtschlüssel zu erobern.

Die HO-Gerichtsschenke hatte sich im Laufe der ersten DDR-Jahre eine guten Ruf für Speis' und Trank gemacht. Belegt wird das von einer Meldung, nach der Anfang 1958 das Gaststättenkollektiv mit einer Ehrenurkunde bedacht wurde.

Wie andere HO-Gaststätten auch, wurde die Gerichtsschenke in Abständen renoviert und neu ausgestattet. In den siebziger Jahren schuf bei der Gelegenheit Max Brandt ein Kunstwerk, auf dem der sagenhafte Trommler von Burg dargestellt wird. Er soll zwar nicht vom Keller dieses Gebäude aus, aber von der, die einstmals als Ratsweinschenke auf dem Grundstück des nahen Gerichtes gestanden haben soll, als Wetteinsatz in ein Labyrinth von Gängen und mit einer Trommel ausgerüstet hineinmarschiert und verschwunden sein. Brandt, der hauptberuflich Werbegrafiker beim HO war, wollte an die Geschichte erinnern, wenn auch nicht in der überlieferten Schenke.

Noch eine Geschichte aus der Gerichtsschenke gibt es, die aber tatsächlich passierte, über die aber nie eine Zeile in der Zeitung stand. Das wäre zu DDR-Zeiten undenkbar gewesen. Es war Anfang der achtziger Jahre, als ein führender ziviler SED-Funktionär des Kreises im Suff versucht hatte, Gäste der Kneipe zu verhaften. Mit einer Pistole, die zu seiner dienstlichen Ausstattung gehörte, soll er dabei herumgefuchtelt haben. Was der Grund des Vorfalls war, darüber gab es nur Gerüchte und Spekulationen. Schnell wurde er unter den parteilichen Teppich gekehrt – dafür aber in der Stadt wild diskutiert. Der Verhaftungsversuch war das Ende des Funktionärs – zu mindestens wurde er in Burg seines gehobenen Parteipostens enthoben.

Die in der Altstadt eigentlich ideal liegende Gaststätte wurde aber nach der Wende geschlossen. Über die Jahre verteilt, gab es Verkaufsversuche des Hauses, wie im Mai 1995, als das 300 Quadratmeter große Grundstück für 130 000 DM zum Kauf angepriesen wurde.4

Goldener Stern

In der Burger Oberstadt gab es bereits 1825 am Breiten Weg 12 neben der damaligen Stadtmühle den ebenfalls viel besuchten Gasthof „Goldener Stern“, geführt von August Seeger.

Albert Thie, dessen Familie einige Zeit auch die Bahnhofsgaststätte innen hatte, inserierte im 1. August 1861, dass er den Stern übernommen hatte. Zehn Jahre später schenkte Gastwirt Ruth das Bier aus. Es schien sich vor der Theke aber nicht nur ein guter Tropfen genehmigen zu lassen, sondern auch Getreide zu verkaufen. In den achtziger Jahren war die Räumlichkeit verschiedentlich Zentrum zum Aufkauf von Getreide.

Der Breite Weg war im vorigen Jahrhundert Streckenteil der Reichsstraße 1. Beste Chance, sich den zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr profitabel nutzbar zu machen. Kneiper Alwin Bessem, der den Goldenen Stern im Mai 1920 übernommen hatte, nahm sie war und betrieb nebenbei eine Tankstelle vor der Tür. Nun darf man sie sich heute nicht als mehrspurige Tankgelegenheit vorstellen. Äußeres Merkmal war eine Tanksäule, die sich fast neben dem Bierverandagarten und Mitten auf dem Bürgersteig befand.

 

In den vierziger Jahren kam der Wandel zu einem neuen Profil der Gaststätte, den ältere Burger noch kennen könnte. Bruno Weigelt betrieb Anfang der 40er Jahre nicht nur die Biergaststätte, sondern auch einen Roßschlächterei. Er kaufte Schlachtpferde auf und verkaufte gleich deren Fleisch und Wurstprodukte. Am Ende des 2. Weltkrieges waren die Burger Rossschlächter die Einzigen, die Fleisch in der Tagespresse anboten. Normale Fleischer hatten kam noch was anzubieten.

Das sollte Tradition nach dem Zweiten Weltkrieg bleiben. Die HO-Gaststätte „Ponydiele“, wie der „Goldene Stern“ nun hieß, bot Terrinen Suppen Weiße Bohnen und Erbsen auch mit Pferdefleischeinlage zu jeweils 35 Pfennig an. Für Hackbraten, Gulasch, Schmorbraten und Rouladen musste der Gast 1.30 DM berappen und für ein „Riesenschnitzel“ beneidenswerte 1,90 DM.

Heute residiert in diesem Haus nahe der Ihlebrücke eine Versicherung.

Gastwirtschaft Heinrich Bork

Eine mit alten Burger Gaststätten verglichene Geschichte, hatte die von Heinrich Bork eine kurze. Sie begann erst in den zwanziger Jahren. Der selbstständige Zigarrenmacher- und -händler Heinrich Bork eröffnete in dem Jahrzehnt eine kleine Schankwirtschaft in der Parchauer Chaussee 11, unweit der Bahnlinie. Im Vorgarten hatte er einige Tische mit Gestühl platziert und konnte gewiss sein, dass manche Ausflügler Richtung Ortschaft Parchau und dem Parchauer See bei ihm eine Erfrischungspause einlegten, ob nun auf dem Hinweg oder Rückweg. So fanden sich bei ihm vorrangig Angler und Badegäste ein. Oder es waren Pilzsucher, die im nahen Bürger Holz auf Früchtepirsch gegangen waren.

 
Konzert im Biergarten
Innenraum

 

Borks Straßenkneipe war auch ein beliebter Treffpunkt der Hundesportler, die bekanntlich unweit ihren Trainingsplatz hatten und heute noch haben. Während Herrchen oder auch Frauchen ihre Bierchen oder Limonaden genossen, waren die Hunde an der Straße angeleint. Wenn Herrchen also einen über den Durst getrunken hatte, war das keine große Tragik. Sein Vierbeiner kannte doch den vertrauten Heimweg.

Aus Altersgründen schloss das Ehepaar Bork die Gaststätte um 1970.

Kühns Bier- und Frühstücksstube

Nicht sehr überraschend wäre, wenn die ältere Burger Generation die Kneipe „Kühns Bier- und Frühstücksstube“ mit dem Namen kaum kennt. Bei der Nennung „Scheißklappe“ aber könnte es ein Aufhorchen geben. Unter den wenig schmeichelhaften Namen war die Biergaststätte in der Zerbster Straße 22 weitaus bekannter. Wann sie genau eröffnet wurde, bleibt im Dunkeln und auch, wann sie für immer geschlossen hatte. Jedenfalls war aus den Unterlagen des Kreis- und Stadtarchivs nichts zu erfahren. In den dreißiger und vierziger Jahren soll Kühns Bierstube aber schon offen gewesen sein. Nach 1945 war sie gleichfalls mit Bestimmtheit geöffnet. In den Nachkriegsjahren hieß der Wirt Willi Bohm. Das Gebäude der Nummer 22 wurde in den 90er Jahren abgerissen.

 

Woher kam der anrüchige Name? Hinterm Tresen soll sich eine Klappe zum Getränkekeller befunden haben. Stieg der Wirt hinab, um ein Fass anzustecken oder Schnapsflaschen hochzuholen, machte sich die Klappe oftmals selbstständig und fiel ihm unsanft auf den Kopf. Seine dann einzuplanende Reaktion: „Scheiß Klappe!“. Sein verständlicher Fluch machte in Burg die Runde und gab der Kneipe schließlich ihren volkstümlichen Spitznamen.

 

 

Paragraph 11

Die Gaststätte „Paragraph 11“ in der Schartauer Straße galt in der Nachkriegszeit einige Jahre lang in Burg neben dem Hotel Roland als örtliche Vorzeigegastronomie. Ihr juristisch klingender Name, um das gleich zu klären, prangte vom ersten Tag der Eröffnung Anfang vorigen Jahrhunderts über der Eingangstür. Dem erste Wirt muss daran gelegen haben, möglichst viele der Gäste zur allerletzten Ausschankminute des Tages am Tresen halten zu wollen. Die Wahl der Bezeichnung „Paragraph 11“ lässt das vermuten. Der Ausdruck kommt aus dem Wortschaft der Studentenkneipe und aus den nachfolgenden Stammtischregeln. Er soll so viel bedeuten wie: „Es wird weiter gesoffen.“

Die Schartauer Straße 58 war 1903 ein Neubau. Der damals in Burg bekannte Gasthofbesitzer Schweinhagen hat ihn errichten lassen. Nur war in den ersten Jahren keine Gaststätte heimisch, sondern das Geschäft des Sattlers und Tapezierers Fritz Buchschatz.

Erst Anfang 1905 künden Zeitungsanzeigen, dass es in dem Haus den „Paragraph 11“ gibt, in der Anfangsphase kurz und bündig als „§ 11“ ausgewiesen.

 

 

 

 

 

 

Seine vielen Burgern bekannte Ausdehnung im Erdgeschoss des Gebäudes erfolgte zu Beginn der sechziger Jahre. Vorher war nur die linke Seite des Hauses eine Kneipe. Gaststättenbetreiber Erich Behnke hatte mit dem HO-Gaststättenbetrieb 1959 einen Vertrag zur staatlichen Beteiligung abgeschlossen. Die alte Gaststättenräumlichkeit konnte erweitert und modernisiert werden. In einem Zug bekamen die Kreisstädter eine neue Speisegaststätte samt Café, Eisdiele und Konditorei.

Die staatliche Beteiligung tat offensichtlich gut, es flossen Gelder zur Erneuerung. Wie die Volksstimme im Februar 1969 befriedigend meldete, habe sich der Umsatz in den ersten zehn Jahren der bestehenden Kommissionspartnerschaft zwischen Behnke und HO vervierfacht. Waren es zu Beginn sieben Angestellte, wurde das Personal auf 30 Mitarbeiter aufgestockt. Zum Beispiel wurde im Haus der Kuchen selbst gebacken, der am Wochenende im Außerhausverkauf äußerst begehrt war. Oft bildeten sich geduldig wartende Käuferschlangen am Konditoreistand.

 

Ein Blick in die Speisekarte der siebziger Jahre zeigt, dass der „Paragraph 11“ mehr im Tagesgeschäft anzubieten hatte, als das Gros der hiesigen Gaststätten. Als „Nachtisch“ wurde ein Eisbecher mit Ananas und Sahne angeboten. Eine fruchtige Krönung, die zu DDR-Zeiten als Bückware galt. Das damit kaum verwunderliche, der Ananaseisbecher kostete 4.20 Mark, mehr als das Schweinekotelett „Nach Art des Hauses“ zu 4 Mark als teuerste Speise auf dieser Karte.

Trotz der Erfolgsgeschichte wurde die Gaststätte als Familienbetrieb am 11. Juni 1976 geschlossen. Zwar gab es in den achtziger Jahren noch einmal den Versuch der HO sie zu beleben. Aber die Wende 1989 überlebte der „Paragraph 11“ nur einige wenige Jahre. Ein Investor ließ zu dieser Zeit allerdings die über Jahrzehnte bestehende Fassade zum Teil verschandeln. Er ließ einen Torähnlichen Eingangsbereich bauen. Heute ist im Erdgeschoss die Filiale einer Bank zu finden.

Richters Reichshallen

Wo heute am Markt die Lokalredaktion der Volksstimme in einem Neubau Zuhause ist, stand bis zum Abriss ein Fachwerkbau, der Richters Reichshallen beheimatet hatte. Längst war nichts mehr von ihr zu sehen. In Vorwendezeiten war eine Bierstube, also auch eine Kneipe, und ein Fischladen untergebracht. Ansonsten dümpelte das Gebäude, das bis in die Deichstraße mit einem Saal hineingereicht hatte, vor sich hin.

 

Gottfried Richter war der erste Eigentümer der Reichshallen, wie aus einer Anzeige der Burgschen Zeitung vom 28. März 1872 zu entnehmen ist. Um die Attraktivität seiner Kneipe zu erhöhen, wollte er wie andere Berufskollegen eine Kegelbahn bauen lassen. 1875 war davon die amtliche Rede und der Bauantrag an die Behörde gestellt. Nur missfiel die Vergrößerungsabsicht den Anwohner Bünger. Er protestierte schriftlich gegen den Bau einer Kegelbahn.

Es handelte sich um einen schmalen langen Hof, in dem die Bahn langgestreckt Platz finden sollte. Ein Ende direkt an der Hauswand des misstrauischen Bünger. Er befürchtete schlafstörende „viele Geräusche und Gepolter“, das seiner Familie sehr sehr lästig werden könnte. Bünger forderte die Baupolizei auf, die schon erteilte Genehmigung zurückzuziehen. Mehr Bauglück hatte Gottfrieds Sohn, Paul Richter., dem er die Reichshallen übereignet hatte. Er konnte 1882 eine Etage auf den Teil des Gebäudes setzen, das an den Markt grenzte.

Paul Richter vertraute nicht allein auf den Gewinn der Gastwirtschaft. Er zog dort zusätzlich einen Tabakhandel auf und verkaufte Zigarren bis zum Nordhäuser Kautabak. Der Gastwirt machte sich außerdem einen Namen mit der Mitgliedschaft in verschiedenen Vereinen. Anlässlich seines Todes am Neujahrstag 1930 wurde daran erinnert, dass er über fast fünf Jahrzehnte Mitglied des Männerturn-Vereins, des Gastwirts-Vereins und der Sängervereinigung „Arion“ war. Außerdem gehörte er der Burger Quartett-Vereinigung und dem deutschen Werkmeisterverband an, das stets als Ehrenmitglied. Und vergessen wurde nicht, dass Paul Richter Mitbegründer der Feldschlösschen-Brauerei gewesen war.

 

Scharfe Ecke

Die Biergaststätte „Scharfe Ecke“ am Rolandplatz war von Mitte des 19.Jahrhunderts an kombiniert mit der benachbarten Brauerei Theodor Krepper. Sie wurde von ihr als Bierausschank geführt. Deshalb die offizielle Doppeladresse Magdeburger Straße 44/45. Viel Aufmerksamkeit verbuchte die Eckkneipe viele Jahrzehnte später als Verkehrshindernis. Ihre Hausecke war nur wenige Meter von einem gegenüberliegenden Eckgebäude des Kaiterlings entfernt und führte in einem scharfen und engen Schwung die Fahrbahn um die Ecke. Die Gaststätte kam zu ihrem Namen. In den dreißiger Jahren war diese Kreuzung Bestandteil der Reichsfernverkehrsstraße und bei dem stetig wachsenden Fahrzeugverkehr ein Nadelöhr mit reichlich Unfällen. Es blieb dem Gaststätteneigentümer nichts anderes übrig, als die Ecke des Erdgeschosses des Fachwerkhauses herauszunehmen und darüber die erste Etage als Erkerzimmer umzubauen. Eine Lösung, die man heute noch als gelungen bezeichnen kann.

Die Biergaststätte blieb in den Jahren nach 1945 in Privathand und musste sich über einen Mangel an Gästen nicht beklagen. Nach ihrer Schließung Ende der 70er-Jahre blieb sie einige Zeit geschlossen. Als 1986 Burg eine Gastgeberstadt der DDR-Arbeiterfestspiele, ein kulturpolitischer Höhepunkt der damaligen Zeit, wurde, gelang es der Stadt gemeinsam mit der Schuhfabrik „Roter Stern“ mit einer aufwendigen Bausanierung aus der Scharfen Ecke ein anheimelndes Kulturhaus zu gestalten. Es wurden bleiverglaste Butzefenster mit dem Zunftwappen der in Burg traditionellen Handwerksbranchen eingebaut. Ein Detail der Erneuerung, der zu dem Zeitpunkt der Mangelwirtschaft fast eine Sensation war. In den Folgejahren entwickelte sich die gewandelte Gaststätte zu einem beliebten Treffpunkt der Burger. So waren nicht nur Veranstaltungen von Betriebskollektiven, Organisationen und Vereinen möglich, sondern auch Privatfeiern. Nur den Rang einer Gaststätte bekam die Scharfe Ecke nie wieder. Nach der Wende gab es die verschiedensten Versuche, das markante Burger Fachwerkhaus zu verkaufen, was leider bis zum Abriss im September 2012 erfolglos blieb.

Scharfe Ecke vor 1936 

 Scharfe Ecke um 1960


Scharfe Ecke im Juli 2012 kurz vorm Abriss

Schmales Handtuch

Die Kneipe „Schmales Handtuch“ in der Bahnhofsstraße 8 hatte schon immer den Spitznamen als Eigenname gehabt. Unmittelbar neben dem gehobenen Hotel Lachmund gelegen, musste sich der Inhaber aber nie einen Kopf wegen niederschmetternder Konkurrenz machen. Das „Schmale Handtuch“ war halt nur eine Bierschwemme, Anfangs vorbehaltlich für Arbeiter gedacht. Was der Lokalnamen betrifft, muss nicht viel Fantasie aufgewendet werden: Der Gastraum war schlank wie ein Handtuch.

Eine Anzeige im Burger Tageblatt vom 21. Februar 1914 erinnert daran, dass sie zu der Zeit die eingetragene Bezeichnung „Emil Tuchen's Stehbierhalle“ hatte und eine bescheidene Speisekarte vorwies: „Bockwurst mit Salat“. Später war es Otto Heisinger, der die kleine Gastwirtschaft inne hatte.

Schließlich war es nach dem Krieg bis ins hohe Rentenalter Else Schiffter, die als Wirtin liebevoll Mutter genannt wurde. Bis in die siebziger Jahre stand sie am Zapfhahn und empfing auch mal Gäste während des Ruhetages oder über die Sperrstunde hinaus. Als Schleichweg wurde von Eingeweihten ein Seiteneingang durch das Tor genutzt. Auch Mitarbeiter des nahen Rat des Kreises und Beschäftigte des gegenüberliegenden Volkspolizeikreisamtes trafen sich entweder zur Arbeitspause oder nach Feierabend bei Else Schiffter, um in Ruhe den Behördenalltag auszuwerten.

Anfang der achtziger Jahre musste die kleine Kneipe Abrissplänen weichen. An Stelle des Gebäudes entstand das Verwaltungs- und Produktionsgebäude des Burger Bekleidungswerkes. Es stellte vorrangig Dienstbekleidung für NVA, Volkspolizei und Feuerwehr her. Aber auch für westdeutsche Handelsketten wurde Bekleidung auf Band gelegt.

Spatzenfalle

 

1886 eröffnete Carl Tätschel neben seinem Materialwarengeschäft eine Bierstube. In den ersten Jahren wurde sie unter dem Namen „Zur Erhohlung“ geführt.

Mit dem Bau des städtischen Schlachthofes im Jahre 1898 wurde die Schankwirtschaft in „Zum Schlachthof“ umbenannt. 1904 entstand schräg gegenüber der Blumenthaler Straße 22 der Gasthof „Zur Schlachthofbörse“. Gut, dass sich bald der volkstümliche Name „Spatzenfalle“ einbürgerte. So konnten die beiden gastronomischen Einrichtungen nicht verwechselt werden.

 

Wolfgang Hoffmann, der mit seiner Tochter Yvonne die Gaststätte bis zur Schließung im Herbst 1998 betrieb, erzählte über die Entstehung des Namens folgende Episode:

Gegenüber befand sich der bereits erwähnte Viehhof von Wilhelm Gerich mit seinen Ställen und Remisen. Das Vieh, das zum Verkauf stand, musste versorgt werden. So mancher Futtertransport verlor ein Teil seiner Ladung auf den kopfsteinernen Pflaster. Dicht bevölkert soll damals das Dach der Gaststätte von Spatzen gewesen sein, die sich so gleich auf das Futter stürzten.

 

Steinhaushalle

Die Gaststätte Steinhaushalle auf der Hälfte der Schartauer Straße wäre vermutlich nie eröffnet worden, hätte es im Hintergrund des Grundstückes keine Brauerei gegeben. Sie war seit 1802 im Familienbesitz. Das Braurecht bestand allerdings für den Standort bereits seit 1576.

 

 

Der Weg vom Brauhaus zum Zapfhahn war äußerst kurz und somit ideal, den Vorteil gastronomisch nutzen zu wollen, muss sich Karl Kirsch Ende des 19.Jahrhunderts gedacht haben. Er machte im November 1891 die Steinhaushalle als erster Wirt auf. Etwas im Dunkeln aus heutiger Sicht muss bleiben, was in der Eröffnungsanzeige etwas kleingedruckt dieser Zusatz zu bedeuten hatte: „Separates Zimmer für Damen eine Treppe hoch“. Mit der Gleichberechtigung zwischen männlichen und weiblichen Gästen schien es wohl nicht weit her gewesen zu sein, können wir nur spekulieren.

So auffallend attraktiv das einstöckige Gebäude auch war, es brachte bis zum Ersten Weltkrieg Besitzern und Pächtern nur wenig wirtschaftliches Glück. Zehn nachweisbare Wechsel waren es, die das vermuten lassen. Gastwirt August Langenbeck hatte den Negativrekord 1911 geboten. Im April gab er die Übernahme der Steinhaushalle bekannt, ab 1. September hieß der nächste Betreiber Otto Holz.

Bis 1926 war die Fassade ohne das Relief, das die Sage vom Bierbrauen bildlich erzählt. Das unübersehbare Kunstwerk wird heute noch vor allem von Burger Gästen genauestens in Augenschein genommen.

Zu gastlichen Ehren kam die Steinhaushalle in den jüngsten Jahrzehnten nicht mehr, obwohl sich das alteingesessene Ihlestädter immer wieder gewünscht hatten. . Im April 1951 machte Karl Mahnke nebst Frau die Steinhaushalle neru auf, aber als Stehbierhalle titulierte. Es dauerte nicht lange und diese Kneipe hatte von einschlägigen Besuchern ihren Spitznamen weg, nämlich „Schwarzer Mahnke“. Der Gastraum soll vom ausgiebigen Tabakgenuss so verräuchert gewesen sein, dass sich bald der interne Kneipenname „Zum schwarzen Mahnke“ eingebürgert hatte. Nicht ganz ein Jahrzehnt später unternahm die HO einen letzten Versuch, die Räumlichkeiten als Gastraum zu nutzen. Die volkseigene Handelsorganisation des Kreises rüstete im Mai 1960 die Steinhalle zu einem HO-Weinlokal um. Das Motto lautete „Trinke nicht wahllos – trinke Wein“. Der Werbespruch soll keine Burger Erfindung gewesen sein, sondern Losung zwischen Ostsee und Thüringen. Mit einer DDR-gültigen Vermarktungskampagne sollte der Verkauf von Weinen aus Bruderländern wie Ungarn und Bulgarien und aus dem eigenen Land, zum Beispiel aus dem Unstruttal, angekurbelt werden.

In den achtziger Jahren wurde letztendlich in der schon verwaisten Steinhalle eine Behindertenwerkstatt eingerichtet. Nach einigen Jahren der Leere fasste im neuen Jahrtausend ein Burger Händler den Entschluss, im ehemaligen Gastsaal ein Wein- und Spirituosengeschäft aufzumachen.

 

 Steinhaushalle vor 1926  Steinhaushalle nach 1926

 

Unvollständig wäre der Beitrag über die Steinhaushalle, wenn unerwähnt bliebe, dass es im angegliederten gleichfalls angenehm augenfälligen Gebäude auch eine Gaststätte gegeben hat. Ursprünglich war das lang gestreckte Haus Wohnsitz und Verwaltung der Steinhausbrauerei. Die erwähnte Kneipe war um einige Jahrzehnte jünger als die benachbarte Steinhaushalle. Familie Paproth eröffnete das Bräustübl am 10. Februar 1977 und hielt es bis um die Wendezeit offen.

 

 

Die Speisegaststätte war beliebt bei den Burgern für ein gutes Mittagessen oder Getränk zwischendurch. Vor 1989 war die Brauerei noch im Betrieb, nur nicht mehr zur Herstellung des Hopfengebräus. Es wurden ausschließlich alkoholfreie Getränke hergestellt und abgefüllt. In hochgradigen Hitzesommern mussten die fachfremden Mitarbeiter der Kreis- und Stadtverwaltung oftmals Sonderschichten fahren, um die Versorgung der Bevölkerung mit durststillenden Selterswasser halbwegs sicherstellen zu können. In Erinnerung blieb bei manchem Konsumenten von damals, dass die Flaschen klebrig waren und der flüssige Inhalt salziger schmeckte, als ein Mineralwasser vom Standard her vertragen durfte.

 

Zur Brückenklause

Die „Brückenklause“ war ein typische Burger Arbeiterkneipe und stand im Schatten des Wasserturms. Im Adressbuch von 1888 wird Albert Gericke als Bierverkäufer geführt. Zwischenzeitlich hat er sein Anwesen in eine kleine Schankwirtschaft umgewandelt.

 

1891 starb Albert Gericke. Seine Frau führte das Lokal bis Ende 1895 weiter. Am 1. Januar des Folgejahres hieß der neue Wirt E. Holzendorf. Die Kneipe, die jetzt den Namen „Zum Gambrinus“ trägt, übernimmt 1905 Wilhelm Schulze als Vertreter der Dampfbrauerei Gebhardt Co.

In einer im „Burger Tageblatt“ veröffentlichten Anzeige, bittet er um geneigten Zuspruch. Er will die ihm Beehrenden durch gute und reelle Bedienung zufrieden stellen.

Nach dem 1. Weltkrieg führte Paul Zinnecke das Lokal unter dem Namen „Löwenschenke“ weiter.

1933 schenkte Paul Zander und Frau „Schultheiß-Patzenhofer“ Bier aus. Ein Werbeslogen war:“ Halt stopp: Für 1 Mark sieben große Topp Bockbier. Auch wurde in dieser kleinen Kneipe Mittagstisch angeboten. Eine Portion Gulasch oder Schmorbraten zu 40 Pfg.

Auch ist eine Anzeige vom 24. Dezember 1941 erhalten, mit der „Der dicke Otto u. seine Frau“ zum Frühschoppen am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag einluden.

Zu DDR-Zeiten wurde hier noch eifrig Bier gezapft. Am 1. Mai 1951 empfing die Wirtin Frieda Gutknecht ihre Gäste in frisch renovierten Räumen. Ende der siebziger Jahre wurde die Gaststätte abgerissen.

Zur Post

Der Standort der Kneipe „Zur Post“ mit der Adresse Markt 25 hat zu einem eine sehr lange Geschichte und einen besonderen Ruf in den jüngsten Jahrzehnten seiner Existenz - exakt bis zum Ende der DDR. Was die Historie betrifft, muss bis in das 18. Jahrhundert zurückgegangen werden. 1771 hatte der preußische König Friedrich II. dem Kaufmann Brick das Privileg zum Betreiben des Gasthofes zum „Weißen Schwan“ erteilt. Er befand sich da, wo um die Wende zum 20. Jahrhundert dann die Gaststätte „Reichspost“ stand. Sie war vor dem Ersten Weltkrieg das erste Offizierskasino des in Burg stationierten Militärs.

 

Erhalten sind aus dem Stadtarchiv zwei Anzeigen vom Mai 1907 und Juli 1909. In der ersten teilt G. Brandt mit, dass er das Restaurant „Reichspost“ eröffnet und in der anderen ist es Fritz Rawolle, der die Gastwirtschaft übernommen hat.

 

 

 

Tageblatt  4. Juli 1909

 

Es wurde für den 16. September 1958 die Eröffnung der HO-Gaststätte „Zur Post“ angekündigt. Von einem zu erhaltenden Niveau des Gaststättenbetriebes konnte über Jahre nicht mehr die Rede sein, obwohl die HO versucht hatte, es mit Renovierungen und Neuausstattungen zu heben. Eine nachweisliche erfolgte im Januar 1973. Es wurde die Küche erweitert, modernisiert und eine zeitgemäße Selbstbedienungsreihe eingerichtet. Was der Gaststätte „Zur Post“ damals rechtmäßig zugute gehalten wurde, dass das zehnköpfige Kollektiv eine schmackhafte und preiswerte Küche anbot.

Zum Verständnis muss man wissen, dass die Kneipe zweigeteilt war. Vorn die Selbstbedienungsreihe und im zweiten hinteren Raum die Biergaststätte. Sie war ein schwarzes Tuch für die Kripo der örtlichen Volkspolizei und für manchen volkseigenen Betriebsleiter. Es soll vorgekommen sein, dass ein Betriebschef dort seine arbeitsunlustigen Mitarbeiter bei Bier und Schnaps werktags aufgetrieben und ihnen gedroht hatte, entweder sofort zur Verrichtung des bezahlten Tagewerks mitzukommen oder auf der Stelle gekündigt und dem Rat des Kreises als Ordnungsbehörde mitgeteilt zu werden.

Die Gaststätte verschwand per Abriss in den neunziger Jahren. An ihrer Stelle wurde ein Wohnhaus mit Geschäft gebaut.

Wenn über die „Post“ geschrieben wird, muss an einen Imbiss erinnert werden, der unmittelbar daneben angrenzend in einer Tordurchfahrt residierte. Es handelte sich um das „Bratwurstglöckchen“, einer HO-Einrichtung. Sie war für einen Happen zwischendurch beliebt, aber schien von Konsumenten arg missachtet worden sein. Aus einem Leserbrief an die Volksstimme vom 17. September 1958 ist zu entnehmen, dass „fettige Wurst auf den Tisch geknallt oder die Hände an der Tischdecke abgewischt wurden“. Die öffentliche Volksstimme-Bitte an die Bratwürstl-Kundschaft: „Abräumen kann auch jeder Kunde selbst, denn die Verkaufskräfte sind vollauf ausgelastet.“

 


In den 1990er Jahren

 


Sommer 2009

Zur Schranke

In Fühlungsnahme zur Schranke der Bahnstrecke Magdeburg-Berlin befand sich eine Gaststätte, deren Namen zuerst nichts mit ihr zu tun hatte. Fritz Voigt nannte sie zur Eröffnung im Juni 1883 einfachhalber nach sich selbst, nämlich Voigts Gasthof. An der Ecke Niegripper Chaussee im guten Kontakt zum Güterbahnhof gelegen, wollte der Gastwirt seinen Gewinn nicht allein vom Bierumsatz abhängig machen.

Tageblatt 30. Juni 1883

 

Er ließ auf der Straße eine Fuhrwerkswaage unmittelbar vor seiner Kneipe bauen. Eine Anzeige im Burger Tageblatt vom Oktober 1885 nannte einen geschäftlichen Grund: „Zuckerrüben werden gekauft in F. Voigts Gasthof am Bahnhof zum höchsten Preis bei solider Abnahme.“ Zu sehen ist die ungenutzte Großwaage eingelassen in die Fahrbahn heute noch.

 

 

In den letzten Jahrzehnten ihrer Existenz war die Gaststätte in Burg als „Zur Schranke“ bekannt. Sie musste Ende der neunziger Jahre geschlossen werden. Ein Grund dürfte in der ab dem Zeitpunkt  abgeschnittenen Lage gewesen sein. Direkt vor der Tür wurde eine Autobrücke gebaut, um aus bahntechnischen Sicherheitsgründen die Schranke der schnellen Hauptstrecke wegfallen lassen zu können. Was damit ausblieb, waren mögliche Gäste, die die Niegripper Chaussee an der Gaststätte „Zur Schranke“ direkt zu ihr nehmen konnten. Von Stammgästen allein kann ein Kneiper kaum leben