Burg bei Magdeburg und Umgebung
Hotels
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Deutsche Eiche

Das Hotel „Deutsche Eiche“ war einst am heutigen Gummersbacher Platz zu finden. Das Gebäude steht schon lange leer und beherbergte über Jahrzehnte der DDR zu einem Teil die Kreislandwirtschaftsschule zur Aus- und Weiterbildung von LPG-Bauern. Nach der Wende diente es kurz als Weiterbildungszentrum zur Umschulung von Arbeitslosen.

Ende Oktober 1892 eröffnete Wilhelm Weber in seinem neu errichteten Haus den Gasthof „Deutsche Eiche“. Damit konnte Blatt 2 der gastronomischen Nutzung des Grundstückes gefüllt werden, denn zuvor betrieb der Schankwirt Patè eine Restauration.

1894 übernahm W. Winzer das Haus. Nur wenige Monate später, ab Februar 1895 hieß der neue Wirt Bernhard Germer, der den Gasthof in ein Hotel umwandelte. Er blieb den Hotel über Jahrzehnte treu.

Aus dem Burger Tageblatt vom 17. und 20. Juni 1920 ist zu entnehmen, dass er nach 26 Jahren sein Gewerbe aufgibt. Er verkaufte das Hotel an die Finanzbehörde, aber Vater Germer hielt das Stillsitzen nicht lange aus. Er machte aus seinem benachbarten Wohnhaus ein Hotel und wurde wieder aktiver Gastwirt und Hotelier. So konnte er am 1. Mai 1941 sein fünfzigjähriges Jubiläum als Gastwirt feiern.

Nach dem Krieg ging das Hotel unter dem „Eichen-Namen“ in den Besitz der Konsumgenossenschaft Burg-Stadt über. Im August 1957 gab es eine Neueröffnung.

 

Lachmund

Zwei Jahre nach Eröffnung im März 1900 firmierte das Hotel in der Bahnhofstraße 8 unter dem Namen „Zum Kronprinzen“. Besitzer war R. Wellendorf. Von ihm übernahm im Mai 1902 Carl Lachmund das Haus. Der neue Chef nannte es ab dem Tag „Lachmunds Hotel“. In Überzeugung seiner gastwirtlichen Fähigkeiten setzte er stets hinzu „größtes und elegantestes Hotel und Restaurant am Platz“ zu sein. Er ließ über seine Speisekarten in Anzeigen verkünden, dass täglich frischer Hummer, Oderkrebse sowie holländische und englische Austern im Angebot sind. Eine überlieferte Sondermenükarte lässt wissen, dass die katholische Kirchengemeinde der Ihlestadt von der Qualität des Lachmunds so überzeugt war, um in seinem Etablissement die Einweihung der neuen katholischen Kirche, sie war in der benachbarten Blumenthaler Straße gebaut worden, zu feiern. Das war am 27. Mai 1906 geschehen. Die geladenen Ehrengäste konnten eine Speisenfolge über elf Gänge genießen, von der Krebssuppe und Rheinlachs über Riesenspargel, Rehkeule und diverser Salat bis zur Ananasbombe, Käseplatte und Mokka.

Wer zu den Zeiten sich regional und weltpolitisch gründlich informieren wollte, konnte das bei Lachmund in aller journalistischen Vielfalt. Er bot den Gästen bis zu 45 Tageszeitungen und Illustrierte zum Lesen unter seinem Dach an. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges gab sich Carl Lachmund dann als ganzer kaiserlicher Patriot und legte obendrein die tägliche Ausgabe der Deutschen Kriegszeitung und wöchentlich das Kriegsecho dazu. Zusätzlich versorgte er die Damen und Herren mit den Kriegsnachrichtendiensten verschiedener größerer Zeitungen. Aber auch Carl Lachmund musste augenscheinlich schwere geschäftliche Zeiten überleben. Während der Weltwirtschaftskrise muss er sich nur noch auf den Hotelbetrieb verlegt haben. Dann aber war im Burger Tageblatt am 9. Januar 1932 diese Anzeige abgedruckt: „Zur Aufrechterhaltung meines Hotels bin ich gezwungen, auch die Bewirtschaftung der gesamten Gasträume in Lachmunds Hotel wieder zu übernehmen.“


Lachmunds Hotel in der Bahnhofstraße

Ein trübes Kapitel der Geschichte des Hotels sollte ein Jahr später folgen. Am 30. April 1933 wurde es als Haus Potsdam wieder eröffnet. Carl Lachmund war nicht mehr der Besitzer. In dem Hotel war ab der Zeit die Geschäftsstelle der Nazipartei untergebracht. Nie mehr sollte es dann vorrangig als Hotel dienen, auch nicht zu Zeiten der DDR. Im Gebäude residierte unter anderem die Abteilung Landwirtschaft des Rat des Kreises. Einige ehemalige Gasträume im Erdgeschoss hatten die Funktion als Betriebskantine der Verwaltung des Kreises Burg. Heute ist der Komplex im Besitz des Corneliuswerkes. Geplant ist, ihn zu einer sozialen Einrichtung für Jung und Alt umzubauen.

Schulterblatt

Der älteste nachgewiesene Gasthof Burgs stand einst am Rolandplatz, sogar noch bis in die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Am Ende hieß er nicht mehr Schulterblatt, sondern Helmholdts Bierhaus. Über einen großen Teil der DDR-Jahre war in den Räumlichkeiten die Zentrum-Diskothek untergebracht.

Das Gründungsprivileg datiert aus dem Jahr 1717. Erster Eigentümer war eine Familie Schinne. Der für das Gasthaus eingeführte Namen Schulterblatt soll seinen Ursprung darin haben, dass beim Bau des Hauses urzeitliche Knochen gefunden wurden. Angeblich von einem Elefanten. Ergänzend gibt es noch diese Geschichte. Ein weit gereister Seemann soll den Schulterknochen eines Walfisches gespendet haben, der als sinnbildliches Aushängeschild über der Eingangstür prangte.


1857 ließ Gastwirt Harnisch einen Neubau errichten.
Das Detail der Frontansicht ist dem Bauantrag entnommen.

 

In den Jahren 1857 und 1858 wurde der Gasthof zu einem Hotel gewandelt. Die damals ersonnenen neue Fassade hat sich bis zum heutigen Tage nicht wesentlich geändert. Erster Betreiber des Schulterblatt-Hotels war Gottfried Harnisch. Eine überlieferte Episode lässt vermuten, dass der Gastwirt dem Namen seines Besitzes alle Ehre machen wollte. Im Juni 1863 wurde angekündigt, dass ein Walfisch im Haus ausgestellt wird. Das Meerestier wiege 6000 Pfund, habe noch seinen ganzen Speck auf den Rippen, war an der Küste bei Travemünde gestrandet und soll nun in das K.K. Museum nach Wien transportiert werden. Als einen Zwischenstation der langen Reise hatten die Zoologen die Burger Hotel Schulterblatt“ auserkoren und auch gleich eine öffentliche Besichtigung des Kadavers erlaubt: Eintritt zwei Silbergroschen, Militär, Dienstpersonal und Kinder die Hälfte...

Aber auch das Schulterblatt war dem Schicksal ausgeliefert, wie manche anderen Gaststätten und Hotels in Burg. Die Besitzer und Betreiber wechselten ständig. Dem Ersteigentümer Harnisch folgte August Tatge, der aber einen Teil der Räumlichkeiten einer landwirtschaftlichen Bank vermietete. Bis kurz nach dem 2. Weltkriege war es vermutlich sechs weitere Hoteliers, die ihr berufliches Einkommen versucht hatten.

Im August 1949 schlug dann eine neue Zeit für das Hotel. Das besondere an der Neueröffnung: Das „Schulterblatt“ wurde zur ersten HO-Gaststätte der Ihlestadt und der augenscheinlich etwas zu saloppe Name geändert. Ab dem Zeitpunkt hatte die gastliche Einrichtung die Bezeichnung „Stadt Burg“, blieb es aber nicht auf ewig. Als in den sechziger Jahren anstatt des alten Roland-Hotels ein sozialistisch geprägtes Hotel gebaut wurde, musste die benachbarte HO-Gaststätte ihren Namen „Stadt Burg“ für das neue Haus hergeben. Nur eines blieb trotze aller Wandlungsversuche: Im Volksmund hieß die Gaststätte stets „Schulterblatt“.

 

Anfang der siebziger Jahre richtete der HO-Kreisbetrieb eine Diskothek für die Jugend ein und einen zentralen Punkt für die Schulspeisung der Burger Kinder. Nach der Wende hatten die neuen Besitzer wenig Glück. Bis zum Ende der neunziger Jahre erstarb das gastronomische Leben Stück für Stück. Zum Finale wurde hin und wieder nur noch für eine Tanzveranstaltung geöffnet, dann kam das endgültige Aus.

Hintere Reihe: Ernst Kutscher, Frieda Heinrich, Holstein, Anni Stranz,  Karl Progatzki und Musiker

Vordere Reihe: Christa Wiesner, Fritz Janisch und Lisbeth Hotop

 


Hotelier Alfred Reinbothe ließ 1909 den Saal erbauen.
Das Foto von 2007 dokumentiert den Langsamen Zerfall des Bauwerkes.

Zum Roland

Kein Gasthof, kein Hotel, keine Gaststätte in Burg hat eine solche umfangreiche Geschichte wie das Hotel „Zum Roland“. Es stand am Rolandplatz, oder einstmals Paradeplatz genannt. Heute ist vom „Roland“ nichts mehr zu sehen. Die Volksbank hatte das Gebäude des Hotels „Stadt Burg“, wie es zu DDR-Zeiten hieß, übernommen und in dankenswerter Weise die Architektur trotz umfangreichen Umbaus dem Umfeld des Stadtzentrums angepasst.

Das alte Gildehaus am Neuen Markt (Rolandplatz)
Rekonstruktionszeichnung von Herrn Wiedenbeck

 

Ursprünglich stand an dieser Stelle kein Hotel, sondern das Gildehaus oder auch als Stadthaus bekannt war. Dessen Historie reicht bis in das 13.Jahrhundert zurück, wobei die Bezeichnung Gildehaus nichts mit dem Eigentum einer Handwerkergilde zu tun hat. Die Immobilie gehörte stets der Stadt. Im 16.Jahrhundert wurde sie umfangreich um- und ausgebaut. Sie wurde sogar einen Zeitraum lang militärisch genutzt: 1729 beanspruchte die brandenburgisch-preußische Garnison einen Teil als Kommandantenwohnung.

Ein Jahrhundert später dann der Gebrauchswandel. Das ehemalige Gildehaus wurde an einen Gastwirt verkauft. Das einst repräsentative Gebäude war nach den Freiheitskriegen Anfang des 19. Jahrhunderts so heruntergekommen, dass die Stadt nichts mehr mit ihm anzufangen wusste und sich zum Verkauf entschloss.

Ein Widerspruch zur Eigentümerfolge besteht zusätzlich darin, da es nachweislich eine Anzeige in der örtlichen Publikation „Halle - Burger Kurier“ vom Dezember 1823 trat ein W. G. Hartungals Besitzer für den „Gasthof zum Roland“ auf. Er pries seine Absteige als „neu etablierter Gasthof im ehemaligen Stadthaus. Fuhrmann Peter Schröder ersteigerte dann das Gebäude 1827 für 7130 Taler.

Paradeplatz vor 1860

 

Im Januar 1854 nahm schließlich Heinrich Rabe den Gasthof in Besitz. Dessen Familie prägte rund 80 Jahre die Geschicke des Hotels.

Gemäß der militärischen Tradition Burgs wurde bei den ohnehin immer wieder vorgenommenen Umbauarbeiten 1876 sogar ein spezielles Offiziersspeisezimmer eingerichtet.

Dass das Roland-Hotel zu einem zentralen Punkt städtischer Kommunikation wurde, kann nach dem Lesen der Tageblatt-Zeitungsnotiz vom 28.Mai 1885 vermutet werden. Gemeldet wurde in ihr, dass an der Ecke des Hotels ein Briefkasten angebracht wurde. Das „Publikum“ freute sich zwar über diese Dienstleistung der Postverwaltung, hatte aber zu bemängeln, warum nur an dem einen Ort ein Briefkasten zu finden ist, und nicht in anderen Straßen von Burg. Wörtlich hieß es kritisch: „Die Bewohner des unteren Breitenweges und der nördliche Strecke der Zerbster Straße würden der königlichen Postbehörde gewiss sehr dankbar sein, wenn man auch ihnen die Abgabe der Briefe etwas bequemer machen wollte.“

 

Rechts: Artikel der Burg’sche Zeitung – 21. November 1865

Kulturoase „Roland“

Wenn man sich die Geschichte des Roland-Hotels betrachtet, darf nicht unterschlagen werden, dass es über viele Jahre vom 19. bis in das 20. Jahrhundert ein Kulturzentrum der allgemeinen Art war. Dabei muss bedacht werden, dass es sich eigentlich nicht um den „Roland“ selbst gehandelt hatte, sondern um einen Teil des Grundstückes, welches ab 1824 unter dem Namen Stadttheater genutzt wurde. Im Verlaufe der Zeit allerdings bot auch der Hotelbesitzer seine Räumlichkeiten für kulturelle Genüsse an Theater Direktor Heinrich Gärtner lud für den 6.und 7.Oktober 1859 beispielsweise zum Gastspiel des Fräuleins Detroit vom Stadttheater Breslau ein. Sie wollte unter anderem das Trauerspiel „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller darbieten. Im gleichen Monat sollten die Burger leibhaftig kennen lernen, was sonst noch für Menschen auf dem Erdball zu Hause sind. Die Rede war im kolonialistisch eindeutigen Stil von zwei „weißgeborenen Negermädchen“ von 18 und 20 Jahren, von einem „wilden Zulu-Kaffer im Alter von 22. Jahren“, der vom Kap der Guten Hoffnung stammte, und von einem 18-jährigen Indianer aus Nordamerika. Von ihm wurde angekündigt, dass er einen Ring durch die Nase trägt.

Oder man konnte sich an einem anderen Tag überzeugen, wie Molly, „der größte jetzt lebende Schweizer Riesenochse“, aussieht. Seine Daten: 2,5 Jahre alt und so groß wie ein Elefant. Die technische Revolution versuchte gleichfalls die Burger mit ihren Errungenschaften vertraut zu machen. Für Ende November 1865 wurde ein Gasbeleuchtungsprolog angekündigt. Das bedeutete, dass Fräulein Marie Uhlmann will mit einem Herrn Wilhelm Kneisel im Licht dieser Illumination eine Gesangsposse in drei Akten von Nestroy zu Gehör bringen wollten. Zusammengefasst: Es folgten über die Jahrzehnte bis in die 20-iger Jahre unablässig Theateraufführungen verschiedenster Genres, immer „exzellent besucht“, wie es in einem Zeitungsbericht anerkennend geurteilt wurde.

Von einem gehörigen weiteren Schritt der rasanten technischen Entwicklung kündete der breiten Masse eine fünftägige Veranstaltung, die aus dem Mai 1904 überliefert ist. Zum ersten Mal war in Burg Fey´s Phono-Biograph zu bewundern. Es handelte sich um ein Theater der lebenden, sprechenden, singenden und musizierenden Fotografien. Eine eigens mitgebrachte Lokomobile von 40 Pferdestärken erzeugte die Energie, um bildhaft Einblicke in den russische-japanischen Krieg, die Beerdigungsfeier des Hannoveraner Grafen Waldersee und die Kaisertage von Leipzig, Merseburg und Erfurt zu bekommen. Zu sehen waren zudem ein Stierkampf in Barcelona, der große Theaterbrand in Chicago und eine Automobilwettfahrt auf der Insel Irland.

Als letztes Beispiel des Bekanntmachens mit dem technischen Fortschritt soll aus dem Burger Tageblatt eine Notiz vom 12. November 1907 zitiert werden: „Heute Vormittag traf vor dem Hotel Roland ein Dampf-Automobil-Omnibus ein. Derselbe war auf einer Probefahrt von Hannover nach Berlin begriffen. Der große Kraftwagen mit dem rauchenden Schornstein machte einen eigenartigen Eindruck“. Und noch ein unappetitliches Kuriosum: Nach dem Ersten Weltkrieg musste infolge allgemeiner Misstände im Gesundheitswesen das Roland-Hotel zwischenzeitlich als Mittelstelle für wichtige medizinische Hilfsmittel herhalten. Im Januar 1920 jedenfalls hatte ein E. Winkelmann in die erste Etage des Hotels gerufen, um alte Gebisse aufzukaufen. Per Zustand des Zahns sollten bis 9, 10, 28 oder 70 Mark ausgezahlt werden.

 

Berliner Maßstab

Nach Vater Heinrich war Sohn Walter der Chef und das bis zu seinem Tod 1931. Ihm wurde nachgesagt, dass er „meisterhaft aus dem alten Roland ein Unternehmen gemacht hat, dass weit und breit als vorzügliches Hotel und Wiener Café großes Ansehen genießt“. In seiner Ära erhielt das gastronomische Ensemble von Hotel und Café zehn beheizbare Garagen „mit beleuchtbaren Autoreparaturschacht“ und Hotelzimmer, die den Status geschmackvoll, luxuriös bis zweckmäßig erhielten. Sie sollen sich in der Ausstattung mit den besten Berliner Hotelzimmern verglichen haben. Und die Küche verfügte über eine Frigidaie-Kühlanlage, die eine Erstmaligkeit in der Provinz Sachsen gewesen sein soll. Erhalten geblieben ist aus den 30er Jahren eine Speisekarten, deren Durchsehen im Vergleich zu heute Erstaunliches zutage bringt. Beim teuersten Genuss handelte Die Getränke schwankten im Preis zwischen 30 Pfennig bis maximal 2 Mark. es sich um einen Whisky der Marke „John Haig Gold Label“, angereichert mit einem Schuss Soda. 93 Getränke waren aufgelistet, von der Flasche Selter, über Liköre und Weinbrände, Weine, Mixgetränke, Biere bis zu warmen Durststillern. Vermerkt unter anderem Schierker Feuerstein und Wernesgrüner Pilsener.

Auszug aus der Speisekarte von 1930

 

Ab 1933 musste das Rolandhotel als Kulisse für zahllose Naziaufmärsche dienen. Speziell der Rolandplatz, der damals immer noch Paradeplatz genannt wurde, musste dafür herhalten. Am 31. Oktober 1934 meldete dass Burger Tageblatt, „dass das schaffende Burg marschiert“ sei.

7100 Burger hörten sich in Reihe und Glied die Verlesung der Verordnung Hitlers zur Organisation der Deutschen Arbeitsfront an. Im März 1936 war es dann vor dem Roland-Hotel ein verordneter Massenauflauf, um das Goldene Buch des nationalsozialistischen Winterhilfswerkes zu weihen.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog aber längst keine gastliche Normalität in das Hotel ein. Die Rote Armee nutzte es ab Mai 1945 zwei Jahre als Militärkommandantur. Überliefert ist, dass es in und vor dem Gebäude ein Treffen mit einer amerikanischen Armeeabordnung gegeben hat. Deren Truppen gehörten zum Kontingent der amerikanischen Armee, das an der Elbe stand.

 

 

 

 

 

Terrasse mit Rolandbüste und Tankstelle

 

Rolandplatz nach 1945

 

Am 7.Mai 1947 wurde den Burgern verkündet, dass das Hotel „Roland“ ab sofort „in altbekannter Weise für den zivilen Verkehr geöffnet hat“. Durch „musikalische Vorträge“ sollte aufs Beste unterhalten werden. Der Alltag muss ins Hotel wohl sehr schnell eingezogen sein. Und am 18. Dezember 1947 war in der Volksstimme zu lesen, dass Tischbestellungen zu „einer fröhlichen Silvesterfeier“ erfolgen können. Am 8. Mai des Folgejahres wurde in das Haus zu einer Modenschau eingeladen. Thema das Abends: Wie mache ich aus alten Kleidern neue? Versprochen wurde, dass neueste zeitgemäße Modell vorgeführt werden.

 

 

 

Vertreter der sowjetischen und amerikanischen Streitkräfte

Vom „Roland“ zum „Stadt Burg“

Das Roland-Hotel wurde nach dem zweiten Weltkrieg weitergeführt. Es war für den HO-Kreisbetrieb sein erstes Haus am Platz. Zu Aufklärung für die junge Generation: Die HO, die Handelsorganisation war der volkseigene Handelsbetrieb der DDR und von der Ostsee bis Thüringen zu finden.

Orchester der KVP - 1953
In der Gaststätte 1957

 

Offiziell hieß das Hotel nach Gründung der DDR „HO-Gaststätte Hotel Roland“. Die Adresse lautete bis nach der Verdammung des sowjetischen Generalissimus Stalinplatz 1. Die Preise waren zu heute unvergleichlich. Für eine Roland-Hausplatte zum Abendbrot musste man lediglich 6 DDR-Mark berappen. Bemerkenswert in den Startjahren, dass im gleichen Haus zwei Preisstufen galten, nämlich die Stufen 3 und 4, mit die höchsten der DDR-Gastronomie. Ab Ende der 60er Jahre galt dann nur noch die 4. Stufe.

Zum Tanz spielten nicht nur einheimische Kapellen auf, sondern auch Kapellen aus dem befreundeten sozialistischen Ausland, wie 1959 das ungarische Ensemble „Lajos Sarközi“. Zudem wurden die Räumlichkeiten genutzt, um die Produktion stadtansässiger Betriebe einem breitem Publikum vorführen zu können. Im März 1964 war die Reihe an der Schuhfabrik “Roter Stern“. Sie präsentierte ihre erste eigene Schuhmodenschau in dem Hotel.

 

Abriss Hotel „Roland“ - 1967

 

1967 kam das Aus für den alten „Roland“. Er wurde abgerissen, der an der Vorderfront über Jahrzehnte angebrachte Rolandkopf eingemottet und ein Neubau geplant.

 

 

Heute ist nur noch zu vermuten, dass ein Hotelbau er sollte, der dem sozialistischen Bild der Entwicklung einer DDR-Kreisstadt entgegenkam. In einer 1969 vom Rat des Kreises herausgebrachten Broschüre heißt es: „Unsere Kreisstadt wird das politische und geistig-kulturelle Zentrum des Kreises.“ Eingebunden auf der gleichen Seite, wie der Ablöser des alten Roland-Hotels, nämlich das Hotel „Stadt Burg" aussieht. Eingeweiht wurde es am 7.Oktober 1969, dem Tag der Republik.

 

Die Namensfindung soll nicht problemlos gewesen sein, wie die DDR-Satirezeitschrift „Eulenspiegel“ in der Ausgabe vom 6. April 1970 vom Autor Ernst Röhl nachträglich herausgefunden hatte: „Das größte Kopfzerbrechen bereitete den Bauherren der Name des Bauwerkes. Bei der Grundsteinlegung mauerten sie im Fundament eine Kassette ein. Die Kassette enthält ein Dokument, das der Nachwelt gegenüber Schwarz auf Weiß behauptet, das neue Hotel führe den traditionellen Namen, Roland’. Es heißt aber inzwischen, Stadt Burg', nachdem der Name der fünfzig Meter entfernten HO-Gaststätte „Stadt Burg“ in HO-Gaststätte „Centrum“ geändert worden war. So ist es recht. Nun merkt wenigstens jeder, dass die Stadt Burg kein Dorf ist.“

Es wurde sich ordentlich ins Zeug gelegt, um zwischen dem Abriss 1967 und der Einweihung Oktober 1969 den Burgern ein ansprechendes Hotel zu geben. Aus heutiger Sicht war die Architektur für das Aussehen des über 1000-jährigen Stadtzentrums zweckentfremdet.

 Ein langgestreckter fast schmuckloser Bau ohne Spitzdach und fehlender Anpassung an die Burger städtebauliche Entwicklung über Jahrhunderte.

 
Eröffnung des Hotels zum 20. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1969

 

Es wurde aber kein Blockbau, sondern ein Gemäuer Stein auf Stein. Hohe Anerkennung fanden zurecht die Arbeiter, die am Werden und Wachsen des neuen „Roland“ beteiligt waren. Überliefert ist ein Dankschreiben der PGH Elektro Burg, ansässig einst im Breiten Weg, die einem ihrer Kollegen für seinen Einsatz eine Prämie von 142 Mark zuerkannte. Das erstaunliche daran, es war kein Geld der Genossenschaft. Es existierte zum damaligen Zeitpunkt ein Konsortium „Kulturelles Zentrum Burg“, das sich auf seine Fahnen das Schwerpunktobjekt „Hotel Roland“ geschrieben hatte. Es muss über Gelder verfügt haben, die an besonders einsatzfreudige Bauleute verteilt werden konnten.

 

Gaststättenbereich

 

Das Hotel „Stadt Burg“ verfügte über 29 Zimmer, 200 Gaststättenplätze, 80 in der Bar, bot ein Beratungszimmer und traditionell eine Außenterrasse. Zwölf Punkte enthielt ab Inbetriebnahme die Hotelordnung. Unter anderem wurde klargemacht, dass jeder ruhestörende Lärm auf den Etagen zu unterlassen sei, Tiere nur mit Voranmeldung geduldet werden, bei schuldhaft grober Verunreinigung und Beschädigung der Hotelzimmer der Gast haftbar gemacht werden kann und bei Nichteinhaltung der Hotelordnung die Kündigung des Beherbergungsvertrages erfolgen könne. Der Hotelbetrieb schien aber recht erfolgreich zu sein, nimmt man die Planerfüllungsdaten zur Hand. In der Volksstimme wurde am 29. März 1972 gemeldet: „In den ersten zwei Monaten des Jahres konnte besonders durch gute Arbeitsorganisation der Umsatzplan des HO-Hotels „Stadt Burg“ mit 112,6 Prozent erfüllt werden.“ Unter anderem wohl auch deshalb weil das Hotel versuchte, exotisch für DDR-Bürger daherzukommen und sich Zulauf versprach. Ein Beispiel aus dem Jahr 1986: Eingeladen wurde zu einem spanischen Abend mit versuchtem nachempfundenen kulinarischen mediterranem Genuss und dem Kaktus-Trio zum Tanz.

Erwähnenswert aus der Geschichte des Hotels ist die Nutzung des Rolandplatzes. Historischen Persönlichkeiten, negativer und positiver Gestalt, wurden Denkmale gewidmet. So wurde Anfang der 50er Jahre ein Stalin-Denkmal errichtet. Nach dem Aufdecken seines Sündenregisters wurde die Büste 1961 bei einer Nacht- und Nebelaktion entfernt.

1980 folgte der Sohn der Stadt Burg, Carl von Clausewitz. Zu Ehren seines 200. Geburtstages wurde das Denkmal direkt vor dem Hotel enthüllt. Sein Standort ist heute in der Großen Brahmstrasse. Dort Stand die Wiege des preußischen Generals.

 

Kollektiv Hotel „Roland“ in den 80er Jahren

 

Ungewisse Zeiten für das Hotel „Stadt Burg“ in den Nachwendezeiten. Die Treuhand, die das DDR-Vermögen nach deren Zusammenbruch zu verwalten und zu veräußern hatte, nahm es in Beschlag. Im Oktober 1991 versicherte die Bundesstelle, dass das Hotel vorerst geöffnet bleibt. Ein knappes Jahr später war es geschlossen. Was folgte, war ein Reihe von Schlange stehenden Investoren, die den Komplex übernehmen wollten. Nicht immer als ein Hotel, sondern auch als Stadtviertel, welches Wohnungen, Geschäfte und Büros enthalten sollte. Bekannt ist aus dem Sommer 1979 das Roland-Konzept eines Magdeburger Marketingbüros. Seine Ideen reichten von einem Parkhaus unter dem Rolandplatz bis zur soeben erwähnten Mischung. Zum Sachsen-Anhalt-Tag 2003 war die Stadt in solchen Nöten, mitten im Zentrum den Gästen aus dem gesamten Bundesland eine Brache präsentieren zu müssen. Unternehmen aus Burg und der nunmehrige Eigentümer Volksbank Burg kamen auf den beglückenden Einfall, den Bau mit Packpapier einzuhüllen und dieses zu bemalen.

Die allerletzten Stunden des Roland-Hotels, beziehungsweise des Hotels „Stadt Burg“ schlugen im Frühherbst 2003. Am 14. September konnten die Burger zum Tag des Denkmals die desolaten, leeren und vereinsamten Räumlichkeiten vom Dach bis zum Erdgeschoss letztmalig besichtigen. Dann machte sich die Volksbank daran, aus dem Bruch ein Bankhaus zu gestalten und zu bauen. Das gelang vortrefflich. Es passt seit Eröffnung 2006 gut in das historische Bild der Kreisstadt des Jerichower Landes.

Volksbank Jerichower Land am Rolandplatz - 2007