Burg bei Magdeburg und Umgebung
Herbergen
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Herbergen

Herbergen gab es nachweislich in der Ihlestadt vom 19. in das 20. Jahrhundert hinein, fünf an der Zahl. Es handelte sich laut Überlieferungen um die Herberge Sperl im Kleiner Hof 1, Mesenberg im Kleiner Hof 4, die Zentralherberge Howey in der Schulstraße 25, Herberge Gustav Steinbecher in der Schulstr. 45 und die Herberge „Zur Heimat“, die sich in der Oberstraße 72 befand und heute Sitz des evangelische Kirchenkreises Elbe-Fläming ist.

 
Foto um 1980 – ehemalige Herberge von Menzel Sperl

Eine der ältesten Herbergen in Burg ist wahrscheinlich die Herberge Sperl. Ehemals eine Posthalterei wird sie um 1855 erwähnt als ein Einkehr „vorzüglich für Tischlergesellen“. Aufmerken lässt in den Zusammenhang, dass eine G. Howey, der augenscheinlich ab 1888 die Herberge „Zur Heimat“ in der Oberstraße betrieben hatte, fünf Jahre zuvor das Inventar der Sperlschen Herberge versteigert hatte. Betten, Bettgestelle, zirka zehn Dutzend Gläser, zwei Hängelampen, Wanduhren, ein Bierbock und Spritzhähne waren im Angebot.

In der Nachbarschaft der Nummer 1 war das Haus Kleiner Hof 4 des Herbergswirtes Mesenberg zu finden. Er hatte Tuchmacher und Schuhmacher bewirtet. Herbergswirt Gustav Steinbecher in der Schulstraße 45 lud zur gleichen Zeit 13 Gewerke ein. Schlosser, Maurer, Zimmerleute, Weißgerber, Bäcker, Müller, Ziegeldecker, Schornsteinfeger, Weber, Zigarrenmacher, Buchbinder, Böttcher, Eisengießer und Brauer. Steinbecher hatte mit den Wander- und Handwerksgesellen aber doch nicht so viel Geld machen können, wie er langfristig erhofft hatte. Tatsache ist, dass der Sohn Gustav die Herberge ab 1865 als Gasthof „Zum deutschen Hause“ weiter führte. Der nächste Inhaber Otto Voigt bot im August 1871 seine im „Deutschen Haus“ eingebaute Kegelbahn zum Verkauf an. Interessant ist, dass der gleiche Wirt 1871 “sämtliche Herren Colonnen-Fuhrleute und die Herren, welche den Krieg in Frankreich hatten“ zu einem festlichen Ball einlud. Übrigens: Anfang des 20. Jahrhunderts kostete ein Bett pro Nacht 20 Pfennig. Der bereits erwähnte Herbergswirt Howey betrieb in der Schulstraße 25 seine eigene Unterkunft, wie die Chronik für die Zeit um 1855 aussagt. Sie hatte den Namen Zentral-Herberge. Für die Gesellen von 15 Handwerksgewerken hielt er seine Pforten auf. Unter anderem für Tabakspinner, Kammmacher, Bürstenbinder, Töpfer und Schwarzfärber. Sie war unter der Bezeichnung „Zentral-Herberge“ noch 1936 in Betrieb, wie aus dem Tageblatt vom 4.Juli des Jahres zu entnehmen. Ist. Sie hatte zu dem Zeitpunkt des Staus des ersten Tagungslokals der Burger Zünfte und wurde zur Nazizeit als „Sprungbrett ins Leben der Arbeit“ bezeichnet. Aus Sachsen, Bayern, Berlin und Friesland wurden Arbeitssuchende in Burg vorstellig und übernachtet in dieser Herberge. Es soll sich um Handwerksburschen, Bauleute, „kleine Reisende, Artisten und Straßenmusikanten“ gehandelt haben. Alle auf der Suche nach Beschäftigung und Lohn.

Ein weiteres Kapitel des Burger Herbergswesens machte die Schlafstatt „Zur Heimat“ in der Oberstraße 72 aus.


Foto 1891 – Herberge „Zur Heimat“ Oberstraße 72

Im Burger Tageblatt hieß es dazu: „Unsere Stadt erhält eine öffentliche, hoffentlich recht segensreich wirkende Wohltätigkeitsanstalt mehr.“ Ihm wurde vom Bauherr „ein gewisser Luxus“ nachgesagt, den allerdings der eingeladene Reporter nicht entdecken konnte. Auch in „Zur Heimat“ wurden von vornherein Standesunterschiede festgeschrieben. Zitat aus dem Tageblattartikel: „Das Vorhandensein zweier Gästezimmer ermöglicht die völlige Trennung der besser gestellten zahlenden Fremden und der seitens der Verpflegungsstation aufgenommener Armen“.