Burg bei Magdeburg und Umgebung
Cafés
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Cafés

Als süßer Schlemmerort galt die Schartauer Straße 26. Zu Beginn des Jahres 1879 wurde das Objekt von Hermann Barnack als Biersalon genutzt. Mittlere und ältere Jahrgänge werden dieses Lokal aber noch unter dem Namen „Café Schneider“ kennen. Es war im Westteil der Geschäftsstraße bis Ende der 80er Jahre ein begehrter Treffpunkt zu einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen. Auch für die Gäste der Ihlestadt, die frühmorgens aus dem Umland mit dem Bus nach Burg gefahren waren und warten mussten, bis die Geschäfte aufmachten oder Behörden ihre Türen.

Der Startschuss zu einen Konditorei an diesem Ort wurde von Max Mönch am 9. Mai 1893 gegeben. Ein halbes Jahr später wurde es um ein Kaffee erweitert. Verwirrend sind die weiteren Aktivitäten in der Schartauer Straße 26.

Im April 1897 übernimmt Otto Heinemann das Lokal „Zum Kaiser Friedrich“. 1903 wirbt er mit der Bedienung durch Kellnerinnen in bayerischen Kostümen, von den sein Nachfolger Hermann Assmus nichts wissen wollte. Er führte das Lokal ohne Damenbedienung weiter. 1904 hat Otto Heinemann die Schankwirtschaft wieder übernommen. Am 11. April 1909 steht das Restaurant zur Verpachtung oder Verkauf. Im gleichen Jahr annonciert die Witwe

Anna Huhn, das Lokal unter Leitung eines Oberkellners selbst zu bewirtschaften. Nach Gastspielen von Carl Lages und Fritz Heinemann steht die Witwe Anna Huhn 1913 wieder auf die Matte. Sie wirbt mit guten Speisen und Getränken die in ihrem Kaffee gereicht werden.1914 kommt endlich Ernst Birkert ins Spiel, der das Kaffee modernisierte und bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts führte. Sein Nachfolger war Albert Schneider. 1939 erfährt man aus dem Adressbuch, dass der Inhaber des „Café Schneider“ Arthur Schulze war. Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm das Ehepaar Wolfgang und Renate Schulze das Kaffee bis Ende Dezember 1980.

K. und U. Ertner führten es dann bis kurz nach der Wende weiter. Heute gibt es das Café in der Schartauer Straße 26 nicht mehr.

Vermutlich kaum noch erinnern wird sich der Ihlestädter unserer Tage an die Konditorei Wilhelm Schulz, Breiter Weg 54.


Burger Neuste Nachrichten 17.12.1914


„Wir lassen uns nicht aushungern“, so stand es auf der Rückseite dieses Fotos von 1917. Es zeigt die Familie des Konditors Walter Lehmann.

 

Ihr konnte man zum Kaffee einkehren. Nachgewiesen werden kann sie bis in das Jahr 1879 anhand einer Tageblatt-Anzeige. Vor dem Ersten Weltkrieg ging sie an Walter Lehmann als geschäftlichen Nachfahren über. Dieser passte sich zum Ausklang 1914 der verbreiteten Kriegseuphorie unter der Bevölkerung an. Er empfahl seinen Kunden „Burger Bomben zum Beipacken in Liebesgabenpakte an unsere Soldaten“.

Einige Häuser weiter, im Breiten Weg 31 unweit des Marktes rief Carl Lincke zu süßen Genüssen

Beliebt war auch das Café in der Schartauer Straße 1 am östlichsten Ende der Straße. Es ist die älteste Konditorei. Der Konditor und Hoflieferant Gustav Schallehn übernahm es um 1855 von Mühlbein. August von Auw hieß der Besitzer 1863. Er war es, der neben seiner Konditorei auch eine Bier- und Kaffeestube eröffnete. 1895 übergab er das Geschäft an seinen Sohn Robert von Auw. Ihm folgten   1920 Walter Lehmann und 1933 Johannes Voigt.

Als Konsum-Tagescafé der abschließenden Jahrzehnte des vorigen Jahrhunderts wird es vielen Burgern in Erinnerung geblieben sein. Der Konsum versuchte immer wieder, das Café attraktiv zu machen. 1975 entschloss sich die Handelsgenossenschaft zur Umgestaltung in einen Wiener Caféhausstil. Heute ist dort nach Modernisierung und der Befolgung der Tradition das Café Pütter zu finden. Nicht nur im Stadtkern konnte man Cafés besuchen. In der Koloniestraße 19 eröffnete A. Delorme Ende 1908 ein Café und Restaurant alkoholfreier Getränke, wie der Besitzer zu betonen wusste. Beim Lesen des Inhabernamens ist der Umstand zu betonen, dass Nachfahren noch heute in Burg das Bäckerhandwerk pflegen.

Am 24. Dezember 1908 eröffnet in den Räumen des Restaurants „Zur Guten Quelle“ ein Kaffee und Restaurant mit alkoholfreien Getränken. Es muss sich nicht gerechnet haben. Zog es doch die Burger lieber in den „Viktoriagarten“ oder zur „Waldhalle“ wo man sein Bier und Schnäpschen trinken konnte. 1909 musste Delorme kleinen Beigeben und wieder Bier ins Angebot aufnehmen.

Ein Café der jüngeren Generation war das HO-Café „Liliput“ am Markt, beheimatet in der Vorderfront des abgerissenen Konzerthauses. Es wurde 1961 von der volkseigenen Handelsorganisation eingerichtet und bot mit der Bushaltestelle vor der Tür Gästen von auswärts eine verträgliche Wartezeit auf den nächsten Bus. Nur hielt sich der Besucheransturm der Einheimischen in Grenzen. Der Versuch der Begründung des Gaststättenleiters las sich in der Volksstimme so: „Vorwiegend kommen zu uns Auswärtswohnende. Ich glaube, die Burger haben etwas Prinzipielles gegen das Moderne.“ Gemäß des Modeverständnisses der 60er Jahre war der Gastraum mit Nierentischen und Klubsesseln ausgerüstet worden.


Café Liliput in den 60er Jahren