Burg bei Magdeburg und Umgebung
Theodor Fontane
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Theodor Fontane

 

Theodor Fontane war vom 1. Oktober bis 30. Dezember 1840 als Provisor in der Adlerapotheke in Burg Er schreibt ein von kleinen Nichtsnutzigkeiten strotzendes längeres Gedicht, „Burg an der Ihle". In der Nacht, als sich Fontane ruhelos auf seinem Lager wälzte, erschien ihm ein Gespenst, Roland selbst. Und beklagte sich über sein Missgeschick: Aus seinen Armen und Beinen machte man Treppenstufen, aus dem Rumpf einen Schweinekoben; aber das Haupt ganz und gar, bewacht im Stall die Hühnerschar.

Gedicht über den Roland

 

Schlag' todt! Schlag todt!
Heraus mit Eurem Flederwisch!
 
Horch mit feierlichen Klängen tönt die Glocke Mittemacht;
Schlaflos ruh' ich auf dem Lager. Träume halten bei mir Wacht,-
hellt das nächt'ge Dunkel, um mich her ein lichter Schein-,
Und ein riesenhaftes Wesen schwebt in mein Gemach hinein.
 
Das Gespenst schien mir der Schatten eines Alpentheils zu sein.
Ein Gebirgsstock statt des Rumpfes. Felsenglieder Arm und Bein,
Seine ungeheure Stirne war ein Wetterwolkensitz,
Und aus seinen Augen flammte unaufhörlich Blitz auf Blitz.
 
Einen himmelhohen Fichtenschatten schwang sein Arm empor;
„Seid bereit!" wie Donner schlugen diese Worte an mein Ohr;
Zitternd sprach ich: „Lieber, langer. ungeheuer großer Geist.
Weißt Du nicht, daß große Geister jeder Burger von sich weist?''
 
Eine Träne sank zu Boden,- ein Fendant zum Bodensee,
„Ja, ich weiß," rief er traurig. darum such' ich Deine Näh';
Ja ich hab' Dich auserkoren an den Bürgern mich zu rächen.
Ihnen nicht den Hals zu brechen, aber doch den Star zu stechen."
 
„Freund, ich bin der Geist des Rolands. der hier an dem Rathaus stand,
Länger als sechshundert Jahre lehnt ich mich an seine Wand,
Da gefiels dem hohen Rate. Schneidern. Tuch- und Handschuhmachern,
Mit dem wankelmütigen Hause auch den Roland zu verschachern.
 
Mich erfeilschte ein Philister; „Vorwärts!- rief er-packet an!
Was beginn ich mit dem alten, welthistorischen Grobian?
Stellt mir seine beiden Lenden wie zwei Pfosten vor das Haus.
Nehmt' ihm seine Arm' und Beine und macht Treppenstufen draus!"
 
,.Und mein Rumpf?- statt eines Troges residiert im Schweinekoben.
Nur mein Haupt ward hochgehalten. oder wenigstens erhoben,
Auf dem Hühnerstalle steht es, daß es nach den Eiern sieht,
Und gewissenhaft berichtet. ob der Hahn kickerickit."
 
Seit der großen Retirade ist solch Frevel nicht gescheh'n-,
Darum muß ich exemplarisch dieses Chor gezüchtigt sch'n;
Nicht mit Schwert und Feuer sollst Du des Philisters Land verwüsten,
Sie am Pranger zu erblicken, will‘s mich wahrlich mehr gelüsten.''
 
„Darauf und dran" und die Satyre ström' aus deinem Federkiel;
Nein, was sprech' ich - solche Bilder malt man mit dem Besenstiel,
Tauch ihn nicht aus Furcht vor Klecksen - sparsam in die Tintenbüchse,
Nein recht stark in patentierte, englische Glanz-Stiefelwichse.'
'
„Gib den Bildern lauter Schatten. denn ich weiß, daß diese Stadt
Stets dem Lichte feind gewesen und nur Schattenseiten hat;
Ziele nicht nach Knalleffekten, male treu nach der Natur,
Alles, alles was sie bietet ist ja schon Karikatur."
 
„Und dann klebe deine Bilder an den großen Rathausturm,-
Eile flugs zur nächsten Kirche. läut' aus allen Kräften Sturm,
Und wenn sie zusammengelaufen, lesen, staunenc fluchen, toben-,
Schick ich meinen Leib zum Schutze Dir aus Stall und Schweinekoben."
 
Er verschwand; am anderen Morgen zog ich wohlgemut vom Leder,
Wählte statt des Besenstieles just mir eine spitze Feder,
Und wo man statt der Satyre eine tiicht'ge Grobheit spürt,
Hab' ich leider aus Versehen, meine Feder umgekehrt.